So, zum Ausklang des Sonntag doch vielleicht noch ein paar Zeilen…

Heute Nachmittag habe ich noch meine Lektuere von A guide to the dutch workplace weitergefuehrt und dabei feststellen muessen, dass die hollaendische Arbeitsgebung doch einige Eigenarten hat, die es zu beachten gilt. Was den Gang von Entscheidungen betrifft, so passiert dies hier doch auf eine Art und Weise, die sich stark von dem unterscheidet, wie dies i.a. aus deutschen Landen bekannt ist. Die Idee, dass ein Boss hier hingeht und einfach sagt “So wird es jetzt gemacht” ist hier vollkommen undenkbar; Boss sein heisst keinesfalls automatisch ueber eine entsprechende Weisungsauthoritaet zu verfuegen, welcher sich die restlichen Mitarbeiter unterwerfen. Boss ist man hier eher – wie es das Buch so nett ausdrueckt – weil es sonst keiner sein will. Um einen Arbeitsplan auf- und spaeter in die Tat umzusetzen, bedarf es der Beachtung einiger Regeln, ohne deren Beruecksichtigung jedes Unterfangen mehr oder weniger von vorne zum Scheitern verurteilt ist. Dies drueckt sich hier dadurch aus, dass versucht wird alle zu faellenden Entscheidungen versucht werden auf einem maximalen Konsenz aufzubauen. Dies bedeutet, dass alle an der Umsetzung einer Sache Beteiligten gehoert werden muessen, damit irgendetwas geht. Nichts geht hier ohne einen vorherigen Austausch von Argumenten und Meinungen - anderweitig wuerden sich die Leute hier uebergangen fuehlen, was dann (um die nette Phrase zu benutzen) zu einem langsamen Tod jedes Vorhabens fuehren wuerde.

Aus dem staendigen Konsultieren und Wettstreit um die beste Loesung folgt dann aber auch noch eine Sache: nichts passiert, wenn nicht in irgendeiner Form schriftlich fixiert wird, worauf man sich geeinigt hat. Will heissen es muss dann anschliessend zumindest ein Memo aufgesetzt werden, welches festhaelt, wer was zu tun hat und bis was alles erledigt sein muss. Demnach gibt es hier einen regen Verkehr an schriftlichen Notizen, etwas was ich wahrscheinlich bei einigen Dingen noch nicht ausreichend genug beachtet habe. Dies betrifft zum einen die immer noch laufende Suche nach einem endgueltigen Arbeitsplatz (derzeit habe ich mich in der Guestkamer eingerichtet) und einem Arbeitsplatzrechner (schliesslich ist es ja auch bescheuert die ganzen Installationsorgien mehrmals durchfuehren zu muessen). Sobald dies nicht gesichert ist haenge ich hier noch auf einer Zwischenloesung und kann nicht voll einsteigen. Aber wie mir ja immer wieder gesagt wurde ist das mit dem Office space so eine schwierige Sache, weil es denn nicht unbedingt in Mengen gibt (hier im Raum sitzt noch ein Maedel aus Frankreich, die wohl bereits seit gut einem halben Jahr hier einquartiert ist… sowas will ich doch auf jeden Fall vermeiden).

Die andere Sache die jetzt auch endlich mal konkrete Zuege annehmen muss, ist das Auffinden einer dauerhaften Bleibe. Ok, dies erfordert sicherlich Eininitiative, aber ich werde mich morgen frueh auch noch einmal mit der Human Resources Abteilung kurzschliessen muessen, um zu sehen, ob dort noch einige brauchbare Infos eingelaufen sind.

Ach ja, eine Sache gibt es, welche mir heute Abend aufgefallen ist. Als ich aus dem Institut raus bin habe ich ja fast einen Schlag bekommen: ich stand mit einem Mal unter einem Sternenhimmel, wie ich ihn schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Wahrscheinlich bin ich in dieser Hinsicht dann doch ein wenig zu sehr Bonn geschaedigt; letztendlich ist die Stadt ja immer noch nahe genug um den Nachthimmel zu erhellen und somit eine ungetruebte Aussicht zu verhindern. Hier am Institut aber, wo es keine ernsthafte Lichtquelle in grossem Umkreis gibt (keine Festbeleuchtung am Institutsgebaeude, keine nahen Staedte), ist es dunkel genug dass die Sterne wirklich das einig helle am Himmel sind. Das ist wirklich klasse, weil man damit wirklich wieder unter dem grossen Himmelszelt steht und den Anblick in voller Pracht geniessen kann. Und dass dies nach wie vor moeglich ist, zeigt doch auc bestens, dass die wissenschaftliche Beschaeftigung mit solchen Dingen nicht automatisch zu dem versucht jener fast kindlichen Faszination fuehren muss, welche ein solcher Anblick ausloest.

Ueberhaupt bringt die Landschaft hier einige sehr schoene visuelle Eindruecke mit sich. Besonders hervorzuheben ist dabei die Wirkung des Morgennebels, welcher sich hier gerne von der Heide her bis weit in den Wald vorschiebt. Bei Blick aus dem Fenster zeichnet sich dann noch das alte Dwingeloo-Teleskop (welches ja schon lange nicht mehr genutzt ist in mittlerweile wohl sogar unter Denkmalschutz steht) schemenhaft ab – dahinter aber verschindet alles in einem wabernden Grau. Ich muss wirklich mal zusehen, dass ich davon ein paar Bilder gemacht kriege.