So, starten wir durch in den Samstag Abend. Nachdem ich mich heute Mittag noch tapfer gegen den Wind in Richtung Supermarkt gewagt habe, ist der heutige Abend eher dem entspannten Lesen und surfen vorbehalten. Ok, es sind nicht mehr Bonner Zeiten, wo der Weg vom Bett zum Computer innerhalb von zwei Sekunden zurückzulegen war, aber so schlimm ist die Fahrradtour hierher über die Felder nun auch wieder nicht. Ok, vielleicht sollte ich beim nächsten mal ein klein wenig besser aufpassen, welche Abzweigung von der Straße ich nehme; ich bin vorhin natürlich eine Abzweigung zu früh abgebogen und durfte mich daher über einen leicht aufgeweichten Feldweg kämpfen (die asphaltierte Route wäre eine Abzweigung weiter gewesen…). Wie dies auf der Rücktour wird kann ich noch nicht sagen, aber bei solchen Verhältnissen wie letzte Nacht, könnte es ein klein wenig schwer werden noch irgendwas zu erkennen. Letzte Nacht war genau die nette Kombination, für welche ich mich ja begeistern könnte: strömender Regen und starker Gegenwind. Da kommt richtig Freude auf. Dagegen war der Abstecher heute Mittag bei Einkaufen ja schon fast wieder eine Erholung, da definitiv weniger Regen und weniger Wind zugegen war (gut, das konnte ja auch nicht so schwer sein). Also die ja für den Norden angekündigten acht Windstärken schlagen hier auf dem platten Land so richtig zu. Auf lange Sicht ziehe ich da wirklich die Berge vor: da hat man das übel sichtbar vor sich und weiß daß es irgendwann auch mal wieder bergab geht. Mit dem Wind kann man ja hier das besondere Glück haben, daß dieser zwischen zwei Touren mal eben eine Kehrtwende macht, so daß es auf beiden Teilstrecken Gegenwind gibt…

Jetzt aber noch zu etwas ganz anderem. Seit dem das niederländische Kabinet die 52 Millionen Euro für LOFAR bewilligt hat, geht hier richtig die Post ab. Seitens der Öffentlichkeit besteht doch recht großes Interesse an dem Projekt, für das hier bei ASTRON alle Fäden zusammenlaufen. Da es seit Dezember ja die Teststation (ITS) bei Borger gibt, besteht jetzt nicht nur die Möglichkeit einen Eindruck davon zu vermitteln, wie LOFAR in Zukunft aussehen kann, sondern es bietet sich auch die Möglichkeit mit den installierten Antennen Messungen durchzuführen. Naja, und was kann diesbezüglich besser öffentlichkeitswirksam sein, als bunte Bilder aus den Daten. Wie mir Heino diese Wochen mitgeteilt hat, kommt voraussichtlich in der folgenden Woche ein Team von Leonardo hier nach Dwingeloo, um sich über die Aktivitäten zu erkundigen. Hm, könnte gut sein, daß die Leute dann auch bei mir vorbeischauen - öh, was mach ich dann? Schauen wir mal, was da wirklich passiert. War aber nett in diesem Zusammenhang die Vorganbe von Heino mitzubekommen: “Schön wäre, wenn wir den Leuten dann eine kleine Vorführung geben könnten - ich meine Du klickst hier drauf und schon bekommst Du eine Himmelskarte.” So, so, schön wäre das. Die Karten bekommen ich zwar, aber bei einer Rechendauer von knapp zehn Minuten ist das nichts, was mal so eben schnell vorführbar ist. Keine Ahnung ob ich das bis Mittwoch hinbekomme, die Berechnungen noch so zu beschleunigen, daß alles so beim Zusschauen passiert; ich habe zwar schon den entsprechenden Teil der Routine ausgemacht, welchen ich dazu umstricken müßte, allerdings was die wirkliche Umsetzung davon betrifft, so fehlt mir einfach noch die Vertrautheit mit den Programmiertechniken für AIPS++ und Glish (und das Zusammenspiel von beiden). Aber wahrscheinlich kommen wir an dieser Stelle auch wieder an die leicht philosophisch angehauchten Punkte, wo ich mich mit dieser Patchwork-Technik noch nicht so richtig anfreunden kann. Gerade für die längerfristige Perspektive fände ich es recht sinnvoll einen Teil der für die Datenverarbeitung nötigen Grundlagen mal sauber auszuarbeiten und gegebenenfalls zu verallgemeinern, damit man nicht immer wieder etwas umstricken muß, wenn eine neue Funktionalität hinzukommen soll. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich ja immer noch diesen Measurement Equation Formalismus im Visier, welcher ja in AIPS++ implementiert ist und welcher auch die Grundlage für die Calibration Techniques für LOFAR darstellt. Ich meine, damit gibt es einen sehr allgemeinen und leistungsfähigen Formalismus in den man “nur” die eigenen Anforderungen einbauen muß und schon kann man auf all die anderen Goddies innerhalb des kompletten Frameworks zurückgreifen. … Ok, das ist aber eine Diskussion, welche ich teilweise schon in Bonn mit Peter hatte. Hier allerdings werde ich diese Idee nun doch noch ein bißchen weiterverfolgen, weil es meiner Meinung eine Reihe von Ecken gibt, wo sich eine einheitliche mathematische Beschreibung förmlich aufdrängt. So gibt es von Stefan Wijnholds diese nette Memo zur Station Processing Baseline, was förmlich danach schreit, in dem M.E. Formalismus und damit in das AIPS++ Framework eingebettet zu werden. Ich werde was das betrifft aber wohl Kontakt mit Michiel Brentjes oder Jan Noordam aufnehmen, um mir mal eine Expertise dazu einzuholen, was bereits in dieser Richtung gemacht wurde. Im stillen sehe ich da vielleicht längerfristig eine Chance mich in die Dinge mit einzuklemmen, an welchen Noordam & Co da rumwerkeln - das hat mich bereits beim ersten Blick darauf von den Socken gehauen und damit vollkommen meine Entscheidung in Richtung Interferometrie zu gehen gerechtfertigt (eine Orientierung für die letztendlich ja Uli Klein mit seiner Vorlesung verantwortlich zu machen ist). Hm, schauen wir mal.

Ach ja, andere Sache noch zu diesem Themenkomplex: am 23. ist hier eine hochoffizielle Einweihung der ITS geplant, bei der sogar hoher Besuch aus Den Haag angekündigt ist. Ich habe gerade nur mal einen kurzen Blick auf die Einladung geworfen, welche bei Heino auf dem Schreibtisch liegt - klingt wirklich nach einer richtig groß angelegten Geschichte. Ich schaue mal, sobald ich da mehr weiß, werde ich die entsprechenden Infos durchkabeln.