Die Tatsache, daß ich am Wocheende endlich mal ein paar Zeilen zu dem zurückliegenden Umzug eingereicht habe, hat offensichtlich die schreibende Zunft auf den Plan gerufen:

Also, deine Berichterstattung war auch schon mal objektiver. Da dein Erinnerungsvermögen leider nicht die astronomische Weite meiner Auffassungsgabe erreicht…

…hier eine kleine Abhilfe zur Vergangenheitsbewältigung.

Nun denn, dann starten wir die Wochen eben mit einem externen Beitrag, der dann hoffentlich zu einer objektiveren Berichterstattung beiträgt:

Revenge of the Cloggy-Man

Einmal Umzug und zurück - viele Kartons und eine Beule

Freitag, 26.3.2004

  • 17:55

    Muttern und Katrin stürmen ein Haus in der Paul-Clemen-Str. zu Bonn. Mit behänder Grausamkeit schleifen sie einen jungen Mann aus seiner Zweizimmer-Wohnung und verfrachten ihn in einen Ford Escort. Noch bevor die Bullerei gerufen werden kann, geschweige denn der Jüngling realisiert, dass er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde, befindet sich das Verbrecherduo auf der Autobahn gen Osten. Destination: Netherlands.((Wie später erwähnt, hatte der Schreiberling dieses Artikels eine Konfrontation mit einem holländischen Türrahmen; dies mag zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Orientierung geführt haben. - die Redaktion.))

  • 18:44

    Vom ersten Schock erholt traut sich der geknebelte Sportstudent, sein rechtes Augenlid geringfügig zu liften. Grausame Bilder flimmern über seine Netzhaut - die Ärzte sollten nach seiner Befreiung eine Hornhautverkrümmung diagnostizieren. Die Sehschwäche hat ihren Ursprung in der visuellen Apokalypse, der sich unser Adonis gegenübersieht. Das Kidnapperpäärchen vollführt schier rhythmisch-revolutionäre Neukreationen an Tanzelementen zum “Ketchup Song”. Don’t imagine that…

  • 19:01

    Bonnie & Clyde der Emanzipation haben es geschafft. Bei Tempo 120 heizen sie an dem schwer bewaffneten Grenzposten vorbei. Die wachhabenden Offiziere sehen vor Nebelschwaden weder Bong noch Escort, und so findet sich im Protokoll lediglich der Vermerk “Peer reicht nicht weiter!”

  • 21:35

    Am Ziel ihrer teuflischen Odyssee angelangt verfrachten die Hadestöchter ihr organisches Frachtwerk in einer eigens zu diesem Zweck angemieteten Ferienwohnung. Schließlich reißen sie dem smarten Schreiberling den Jutesack vom Kopf und wollen ihm mit ranzigem Tüftensalat suggerieren, er befinde sich noch in seinem Mutterland. Dabei hatte sich schon vor Stunden der ätzende Güllesmog niedrig-mähenden Schafskots durch die Maschen seines Sichtschutzes gefressen.

  • 23:45

    Um die Konfusion auf die Spitze zu treiben konfrontieren die sadistischen Cousinen Cleopatras unseren Helden mit fremdsprachigen TV-Comic-Strips. Das ist zuviel, der schiere Brain-Trust-Overkill und der deutsche Recke entscheidet sch aus Selbstschutz zu einem Spontankoma.

Samstag, 27.3.2004

  • 6:15

    Die Rechung, den toten Mann zu spielen, geht verdammt noch mal nicht auf. Die Anführerin der Bande schmettert ihren ungewaschenen Hacken auf des Leidenden Gesäßmuskulatur hernieder. Nachdem er sich - wie unerbittlich die Realität doch sein kann - darüber vergewissert hat, dass alles leider kein schlecht inszenierter Albtraum war, wird er zu niederträchtigen Frondiensten herangezogen. Noch bevor die Sonne den Rand des Deiches erklommen hat muss er ein ganzes Bataillon schwer bepackter Pappquader aus der Wohnung in einen Transporter hieven.

  • 9:07

    Auch das letzte Staubkorn hat seinen Weg aus den Räumlichkeiten in das Vehikel gefunden. Gerade will der Geschundene seiner gebrochenen Seele eine Ruhepause gönnen, da erhält er einen Schlag auf den Hinterkopf.

  • 10:26

    Wenige Meter weiter, dem Güllegeruch nach zu urteilen nur unweit der ersten Behausung, soll das Liefergefährt sein ursprüngliches Fassungsvermögen zurückerlangen. Das neue Gemäuer liegt derart tief im Erdreich, dass der Hüne bei Betreten der Beherbergung stets mit dem Kopf gegen den Türrahmen stoßen muss, um die Grundmauern über den Nullpegel zu heben.

  • 16:32

    Aufgrund der vielen heftigen Erschütterungen seines Denkapparates fehlen einige Stunden im Erinnerungsspeicher des Leidtragenden. Doch es reicht gerade noch, um das Gefühl holpriger, schlecht gepflasterter Straßen wahrzunehmen. Hossa, auf zur nächsten Schinderei.

  • 18:06

    Im Schutze der heraufziehenden Dunkelheit schieben die Killer-Ladies den Escort leise an dem Grenzposten vorbei. Die verkifften Knalltüten kriegen wieder mal gar nichts mit. Protokoll: “Peer? Wer ist Peer?”

  • 19:00

    Mit quietschenden Reifen hält der Ford in der Paul-Clemen-Straße zu Bonn. Das Umzugsopfer wird nur notdürftig auf den Balkon seiner Zweizimmerwohnung geworfen, da packen die Pseudo-Banditen wieder den Bleifuss aus und waren nie mehr gesehen. Gedanklich weit jenseits von Gut und Böse rollt sch unser 24-h-Jesus in seine Ikea-Einbauküche. Damn, erst mal ein starker Cappuccino…