Die heutige Doktorverteidigung von Bart war nicht nur eine willkommene Gelegenheit zum fotographieren, sondern – auch wenn ich damit nicht so ganz gerechnet hatte – eine Gelegenheit das ganze Doktorarbeit Vorhaben ein weiteres Mal von unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Was mich dabei sehr gefreut hat war die Tatsache, dass es bei der Befragung durch die Kommission ueberwiegend um die eher technischen Aspekte der Arbeit ging; Bart zeichnet ja hauptverantwortlich fuer eines der Kernstuecke der Transients-Pipeline, naemlich die Datenbank, in welcher nicht nur alle Ergebnisse der Pipeline abgelegt werden, sondern innerhalb welcher sich ein nicht unwesentlicher Teil der Datenverbeitung selber durchfuehren laesst (hierbei scheint es sogar realistisch in Zukunft weitere Funktionalitaet direkt in die Datenbank-Engine zu verlegen, frei nach der Philosophie “bring the computation to the data”). Von der Problemstellung her ist dies natuerlich etwas, das nicht unbedingt astronomischer Natur ist, sondern vor allen Dingen in IT-Kreisen Gegenstand aktuellen Interesses ist – dann unter anderem aber auch wieder angetrieben durch den steigenden Bedarf aus Industrie, Finanzwesen und auch Astronomie. Da ich typischerweise ja so meine Schwierigkeiten mit dem Lesen von Doktorarbeiten habe – was auch mit daran liegen mag, dass ich mit dem Thema nicht sonderlich viel anfangen – war die Lektuere von Barts Arbeit bisher eine wirklich angenehme Abwechslung: deutlich mehr als die Haelfte des 150 umfassenden Buechleins beschaeftigen sich mit der Maschinerie hinter den Kulissen der Transients Pipeline, also eher technischen und angewandten Aspekten.

Da dieses Mal der an die Verteidigung anschliessende Umtrunk direkt vor Ort in der Agnietenkapelle stattfand, hatte ich nicht nur die Gelegenheit a) einen Teil der Gratulationen im Bild festzuhalten, sondern b) mich am Rande auch noch ein wenig laenger mit Hanno zu unterhalten. Ich bin doch immer wieder ueberrascht, wie lange wir uns nun schon kennen (vielleicht nicht sonderlich gut, aber doch so dass wir durchaus auch mal ein ernsteres Gespraech fuehren koennen): als ich 2004 meine Stelle bei ASTRON angetreten habe, war Hanno unter der Gruppe Sommerstudenten, welche es waehrend der heissesten Zeit des Jahres nach Dwingeloo verschlagen hat, um dort an diversen Untersuchungsprojekten zu arbeiten. Waehrend alle anderen Teilnehmer – soweit ich mich erinnern kann – direkt von einer Uni kamen (entweder als Doktorant oder Post-Doc) und damit aus dem unmittelbaren wissenschaftlichen Umfeld, hatte Hanno eine deutlich andere Vita vorzuweise: nach dem Abschluss seines Studiums hatte er zunaechst rund vier Jahre im Bankwesen gearbeitet (hatte also gewissermassen Erfahrungen in der realen Welt gesammelt), ehe es ihn mit aller Kraft in die Astronomie zurueckzog. So kam es dann also dass sowohl Hanno also ich zu der kleinen Gruppen an Leuten gehoerten, welche im Sommer 2004 aus erster Hand Erfahrung mit der LOFAR Initial Test Station (ITS) sammeln konnten; eigentlich war dies eine witzige Zeit, auch wenn wir vor allen Dingen aufgrund der bratenden Hitze ganz gut ins Schwitzen gekommen sind. Waehrend ich fleissig damit beschaeftigt war den Imager fuer die Cosmic Rays zu schreiben und an den ITS Daten zu testen (was uebrigends dann Ende des Sommers auch die ersten Gewitter Beobachtungen beinhaltete), hat Hanno zusammen mit Ger und Stefan u.a. an Stabilitaetsmessungen gearbeitet, um zu verstehen, wie sich das System ueber einen laengeren Zeitraum verhaelt (was dann in einem Vortrag mit dem Titel “A 10 Day Campaign with LOFAR’s Initial Test Station” praesentiert wurde).

Aber gut, dies ist vielleicht alles “nur” ein wenig Hintergrundgeschichte und nicht exakt das, was ich eigentlich an dieser Stelle anmmerken wollte (auch wenn es da sicherlich noch weitaus mehr zu erzaehlen gaebe…). Fuer die aktuelle Situation – und wohl auch die kommende Zeit – deutlich relevanter waren zwei Unterhaltungen, welche ich am Rande der Veranstaltung mit Ronald und Hanno hatte. Aufhaenger in beiden Faellen war die Frage, in weit ich mich denn mittlerweile in Amsterdam eingelebt habe und wie es um den Fortgang der Arbeit gehe; die sich daraus ergebenden Gespraeche hatten zwar leicht unterschiedliche Schwerpunkte, liefen aber in beiden Faellen auf einen Versuch meinerseits heraus mir ein wenig mehr Klarheit darueber zu schaffen, ob ich mit dem Antreten der Doktorarbeit wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe. Auch wenn ich dies abschliessend natuerlich alleine fuer mich selber beurteilen muss, so lieferte vor allen Dingen die Unterhaltung mit Hanno noch ein paar Aspekte auf, welche sicherlich ernst zu nehmen sind. So bestaetigte sich zum einen zwar wieder der Verdacht, dass der Doktorgrad in vielen Faellen als eine Art Eingangskarte funktioniert – mehr eine formale Huerde als eine direkte Qualifikationsbescheinigung fuer den konkreten Job. Auf der anderen Seite scheint der Titel aber durchaus ein gewisses Mass an Eigenstaendigkeit und Respekt zu sichern, was ohne Doktor eben nicht der Fall ist; sehr schoen war in diesem Zusammenhang der Bericht von Hanno, dass ihm dies bei seiner neuen Taetigkeit schon deutlich dabei geholfen habe, a) nicht bei jedem Schritt von einem Vorgesetzten kontrolliert zu werden und b) eher gehoert zu werden, wenn es um Meinungsverschieden in Sachen Vorgehensweise geht. Worauf es ein Stueck weit auch hinauslaeuft – und das kann ich alleine nach zwei Monaten Doktorandendasein nachvollziehen – ist dass man einfach auf einem gewissen Mindestniveau arbeiten will; dies bezieht sich sowohl auf die rein fachliche Ebene (und schliesst auch die Moeglichkeit eigenstaendige Entscheidungen treffen und verantworten zu koennen ein) als auch auf die soziale Ebene (als Doktorant ist man innerhalb einer wissenschaftlichen Umgebung doch ziemlich weit unten in der Hackordnung angesiedelt, was einen die Leute mitunter auch durchaus spueren lassen). Das alles faellt einem vielleicht nicht so sehr auf, wenn man einem relativ geradlinigen Weg gefolgt ist, welcher direkt vom Studium ueber Diplom/Master hin zur Promotion gefuehrt hat; ist der Weg aber nicht ganz so geradelinig verlaufen, so dass man zwischendurch noch in andere Dinge hineingeschnuppert und Arbeitserfahrung gesammelt hat, dann wird es wohl jedem schwer fallen einmal Erreichtes so ohne weiteres aufzugeben. Ich glaube das ist dann auch mit einer der Hintergruende dafuer, warum ich in den letzten zwei Monaten nicht so richtig in der Lage gewesen bin, mich voll auf meine Arbeit zu konzentrieren – weil ich einfach immer im Hinterkopf die sehr unterschiedlichen Ansprueche und Sichtweisen herumschwirren habe, welche nur sehr schwer miteinander in Verbindung zu bringen sind. Ich kann mir zwar immer wieder einreden, dass ich mich da einfach durchbeissen muss, damit ich anschliessend eine bessere Ausgangsposition habe, um die Dinge zu machen, welche mich interessieren – dadurch wird die Zeit aber leider nicht kuerzer, so dass ich mich da wohl noch auf so manchen zwischenzeitlichen Durchhaenger einstellen muss und ich einfach ein wenig hoffen muss, dass es mir besser gelingt mich davon nicht von dem abbringen zu lassen, was ich eigentlich erreichen will.