Auch wenn man selbst bei sehr gutem Willem nicht ernsthaft behaupten kann, dass meine Handschrift in irgendeiner Weise einen ausgewogenen – order vielleicht sogar lesbaren – Eindruck hinterlaesst, so gibt es natuerlich doch immer wieder Gelegenheiten, wo der Griff nach dem Stift geht. Auch wenn ich sicherlich den ueberwiegenden Anteil meiner Schreibaktivitaeten am Rechner erledige – fast vor allen in Sachen Software-Entwicklung ja nicht wirklich verwunderlich ist – so ist es gerade fuer das anfaengliche Skizzieren von Ideen immer noch am besten zu Stift und Papier zu greifen. Waehrend ich bei letzterem Punkt den Hinweis aus Zeiten meines Quantenmechanik-Vorlesungen verinnerlicht habe (“Lassen sie sich nicht von Linien einengen, sondern lassen sie ihren Ideen freien Lauf.” – frei nach Monien), so haengt die Wahl des Schreibwerkzeuges meistens davon ab, was es denn genau zu Papier zu bringen gilt. Was dies betrifft macht es schon einen Unterschied, ob ich mich durch ein Paper lese und einfach ueberall Kommentare reinschreiben will, oder ob ich versuche eine neue Idee zu entwickeln; waehrend fuer die Kommentare der Griff eher zu einem Bleistift geht (allein schon wegen der Schriftgroesse), so ist fuer groessere Mengen an Text (oder mathematischen Zeichen) auch haeufiger schon einmal der Fueller das Instrument der Wahl. Auch wenn ich einem Kugelschreiber keinesfalls abgeneigt bin – ich denke mal die ueber diverse Taschen verteilte Sammlung spricht da fuer sich – so bietet ein Fueller einfach ein ganz anderes Scheibgefuehl.

Angesichts dieses Hintergrundes war es natuerlich umso interessanter, als Julia Anfang Dezember von dem Vorhaben berichtete ein Kugelschreiber+Fueller Schreibset zu erstehen, so dass es beim Schreiben eine kleine Erinnerung an den anderen gegen wuerde. Auch wen dies als Idee und Geste wirklich sehr nett war, so blieb natuerlich immer noch die Frage der Handhabung und des Geschmacks; letzteres ist etwas, das zu einem gute Teil von den optischen Eigenschaften des Schreibgeraets bestimmt, waehrend die Handhabung etwa ist, dass sich nur im direkten Test herausfinden laesst. Ein Fueller mag noch so schoen sein, aber wenn sich herausstellt, dass dieser einfach nicht gut in der Hand liegt, so dass sich damit auf Dauer nicht vernuenftig schreiben laesst, dann muss die Suche eben weitergehen. Dies waren dann auch die Bedenken, welche dazu gefuehrt haben den Kern der Idee beizubehalten, aber sich auch einfach mal noch nach anderen Modellen umzuschauen. Bei dieser Suche rueckte vor allen Dingen der Sheaffer 300 recht schnell in den Fokus der Aufmerksamkeit, so dass schon bald noch ein weiterer Order rausging, um beide Modelle zum Vergleich vorliegen zu haben. Als beide Sendungen dann schliesslich zu Beginn des neuen Jahres eintrafen, war es natuerlich recht spannend herauszufinden, worauf denn nun die Wahl fallen wuerde. Stellt sich heraus, dass das Modell, welches Julia urspruenglich im Visier hatte, zwar sehr schoen schwer und gut ausbalanciert ist, aber leider – zumindest fuer meine Finger – zu wenig Griffflaeche direkt oberhalb der Feder bot, so dass ich keine gute Kontrolle ueber den Schreibansatz hatte (die wohl einzige Moeglichkeit dies zu umgehen waere, mir eine komplett andere Stifthandhabung anzugewoehnen, bei welcher ich deutlich weiter oben ansetze). Der Sheaffer 300 auf der anderen Seite ist zwar vom Gewicht her (vor allen Dingen ohne die Kappe) ein wenig leichter (was fuer sich genommen ja kein Nachteil ist, vor allen Dingen wenn man vorhat viel damit zu schreiben), bietet aber im vorderen Bereich deutlich mehr Platz, um einen gute Halt zu garantieren. Dazu kam dann auch noch, dass die eingebaute Feder fuer mich viel gleichmaessiger ueber die Schreibunterlage zu fuehren war (waehrend ich bei dem anderen Fueller staendig das Gefuehl hatte ueber das Papier zu kratzen). Nach einer Reihe von Schreibtests mit beiden Schreibgeraeten fiel dann also nach einer Weile die Wahl auf das Sheaffer Modell.

Wie sich heraustellt war dies wirklich eine gute Wahl: mit einem wirklich schoenen und gut zu handhabenden Schreibutensil in der Hand waechst natuerlich auch die Motivation oefters mal den Rechner beiseite zu schieben und einfach nur Stift und Papier zur Hand zu nehmen – vor allen Dingen aber natuerlich dann, wenn es darum geht nachzudenken und dabei aufkommene Ideen und Erkenntnisse festzuhalten, ohne sich dabei grossartig um die Form zu kuemmern (das ist dann typischerweise der folgende Schritt, Ordnung in das kreative Chaos zu bringen). Wenn ich daran denke, dass die Doktorarbeit sicherlich einige an Nachdenken und konzeptionellen Entwuerfen erwordern wird, ist dies eigentlich ein recht guter Zeitpunkt zu versuchen die Handschrift wieder ein wenig zu beleben und (auch wenn dies nicht so einfach erscheint) auf Dauer vielleicht sogar wieder einigermassen lesbar zu kriegen (was ja auch fuer mich gewisse Vorteile haette, denn schliesslich ist es ja schon ein wenig aergerlich, wenn man es selbst nicht mehr schafft die eigenen Notizen zu entziffern).