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Sat, 02. April 2011 – 20:47

… so wie dies heute den Tag ueber der Fall war, dann gibt es eigentlich kaum eine andere Wahl, als sich an die frische Luft zu begeben. Sicher, so wie ich mich kenne, koennte es mir natuerlich durchaus auch passieren, dass ich vor lauter Lesen den Rest der Welt vergesse und mich nicht mehr aus dem Bett bewege, aber dies war waere angesichts des Wetters doch sehr schade. Folgerichtig habe ich also geschaut, dass ich noch schnell die wichtigsten Einkaeufe erledigt kriege (muss ja garnicht einmal so sonderlich viel sein, vor allen Dingen wenn man wirklich frische Dinge immer wieder nachkauft), um dann anschliessen losziehen zu koennen. Da ich mich aber nicht so recht entscheiden konnte, was ich denn eigentlich vorhabe, bin ich schon nach wenigen Minuten wieder umgedreht, um wenigstens noch ein Buch mitzunehmen, fuer den Fall das ich mich vielleicht einfach nur irgendwo gemuetlich in die Sonne setzen will. Da ist dann zwar letzten Endes nichts draus geworden, aber da es sich dabei um eine realistische Moeglichkeit handelt, war der Gedanke ja nicht so abwegig.

Flevopark

Waehrend ich bei dem ersten Anlauf eher in Richtung Innenstadt losgelaufen bin, hat es mich anschliessend doch eher hin zum Flevopark gezogen; nicht dass ich diesen jetzt unbedingt als Ziel anvisiert haette, aber einfach so von der Richtung her schien mir dies eine bessere Wahl zu sein. Wie ich letztes Wochenende bereits feststellen konnte, hat dieser Teil von Zeeburg (so heisst der Amsterdamer Stadtteil hier) durchaus seinen Reiz – sowohl was die Erholungsmoeglichkeiten betrifft, als auch die Gelegenheit sehr beeindruckende Spraykunst betrachten zu koennen. Was letztere betrifft bin ich frueher ja schon auf Erkundungstouren gegangen, aber was ich hier bisher zusehen bekommen ist zweifelsfrei das beeindruckendste bisher; die kompletten Pfeiler unter der Bruecke sind voll mit Graffiti, von Schriftzuegen ueber Portraits bis hin zu ganzen Szenen, wie sie aus einem Comic stamment koennten. Da sollte es also nicht sonderlich verwunderlich sein, dass ich bereits bei meinem ersten Abstecher mit einiges an Bildern zurueckgekommen bin. Auch am heutigen Nachmittag hatte ich natuerlich die Kamera dabei, um weitere Arbeiten zu dokumentieren; das Problem ist aber, dass die Lichtverhaeltnisse auf den Brueckenpfeiler recht schwierig sind, so dass es ein wenig mehr Vorbereitung erfordert die bestmoeglichen Aufnahmen zu kriegen. Die Farben sind von sich aus schon so kraeftig, dass mit dem kleinsten direkten Sonnenstrahl groesse Bereiche des Fotos sofort ueberbelichet sind; die einzige wirklich gute Chance scheint mir daher also, sich entweder einen bewoelkten Tag zu schnappen, oder aber frueh am Morgen aufzutauchen, wenn noch kein direktes Sonnenlicht in den Bereich unter der Bruecke fallen kann.

Park

Waehrend bei meinem ersten Besuch kein Mensch auf weiter Flur zu sehen war, bin ich heute direkt mehreren Gruppen von Kuenstlern ueber den Weg gelaufen; da der zur Verfuegung stehende Platz ja begrenzt ist, scheint es regelmaessig zu einem kompletten Neustart zu kommen – das heisst dass ein kompletter Pfeiler zunaechst mit einer Farbrolle ueberstrichen wird, ehe es dann an das Aufbringen neuer Spray-Gemaelde geht. Dies hat mir dann sehr nachdruecklich vor Augen gefuehrt, dass die diversen Kunstwerke (und als diese muss man sie zu Recht bezeichnen) nur eine begrenzte Lebensdauer haben, ehe sie von etwas neuem ersetzt werden – will man also einen einigermassen vollstaendigen Ueberblick erhalten, so muss man regelmaessig unterwegs sein. Genau dieser Gedanke war etwas, was mich auf die erste wirklich brauchbare Idee fuer ein photographisches Projekt hier in Amsterdam gebracht hat; da ich auf der einen Seite ja eher zum dokumentieren neige, zum anderen aber schon das Gefuehl habe, dass die Graffiti-Arbeiten bewahrenswert sind, schein es mir ein durchaus sinnvolles Vorhaben, die diversen Gemaelde ein wenig systematischer zu archivieren. Stellt sich natuerlich heraus, dass es sogar schon eine Website((www.bomdiggy.com)) dafuer gibt: ich bin ein wenig mit einem der Sprayer ins Gespraech gekommen, welcher umgehen von mir wissen wollte, fuer wen ich denn arbeite. Hm, zu diesem Zeitpunkt fuer niemanden, aber die Information, dass es zum Beispiel ein Magazin gibt, welches sich der Amsterdamer Graffiti-Szene annimmt, finde ich schon einmal sehr interessant; ich weiss zwar noch nicht so ganz, ob dies etwas ist, worin ich mehr Zeit investieren sollte, aber anschauen werde ich mir die Website in jedem Fall – wenn die darauf zu findenden Bilder in der Weise entstanden sind, wie ich dies anhand der wenigen Eindruecke mitbekommen habe, dann gibt es da sicherlich noch Raum fuer Verbesserungen…