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Tue, 12. April 2011 – 23:41

Damit nicht der Verdacht aufkommt, ich wuerde hier nur noch am laufenden Bande von photographischen Dingen schreiben, hier mal noch ein paar Anmerkungen zu dem Koeln-Abstecher am Samstag, welcher diesmal wieder ein wenig zur kulturellen Bildung beigetragen hat (soll ja auch ab und zu schon einmal vorkommen).

Zunaechst aber habe ich erst einmal noch fuer eine Stunde mit der Kamera den Sueden Koelns unsicher gemacht; da Julia ja fuer den Morgen einen Akkupunktur-Termin bekommen hatte, bin ich in der Zwischenzeit ein wenig auf Erkundungstour gegangen. Auch wenn der Aktionsradius, welcher sich innerhalb einer Stunde abdenken laesst begrenzt ist, so habe ich es auch nach drei Anlaeufen bisher immer wieder geschafft meine Route so weit zu variieren (was ich dank GPS mittlerweile auch recht nett verifizieren kann), dass ich durchaus noch neue Sachen entdecken konnte.

Nachdem Julia dann mit ihrer Akkupunktur fertig war, haben wir uns einen Bus in Richtung Innenstadt geschnappt (bequemerweise gab es direkt um die Ecke eine Bushaltestelle der richtigen Linie); stellte sich dabei heraus, dass der Bus direkt am Schokoladenmuseum vorbeikommt, so dass wir eben nicht komplett bis zur Endhaltestelle durchgefahren, sondern schon frueher ausgestiegen sind. Da des aber ein ziemlich spontane Aktion war, hatte ich vorher nich meine Hausaufgaben gemacht, um ein wenig mehr ueber das Museum in Erfahrung zu bringen; von dem was im Eingangsbereich zu finden war, wurde leider auch nicht wirklich klar, was genau das Museum eigentlich zu bieten hat, so dass wir einen Besuch auf ein spaeteres Mal verschoben haben. Das war fuer sich auch nicht so weiter schlimm, weil zunaechst ja auch noch mal das Nachholen des Fruehstuecks auf dem Programm stand, so dass wir uns lieber zufuss auf in Richtung Fussgaengerzone gemacht haben (netterweise sind die Entfernungen im inneren Bereich der Stadt ja nicht so sonderlich gross, so dass man recht einfach von einem zum anderen Ort gehen kann).

Nach einer kleinen Pause mit Brot, Broetchen, Kuchen und Kaffee am Rande des Domplatz, haben wir den ersten kulturellen Punkt des Tages angegangen: Museum Ludwig. Bei einem frueheren Abstecher nach Koeln waren wir schon daran vorbeigelaufen, zu diesem Zeitpunkt allerdings, wo das Museum geschlossen war, so dass wir uns dies fuer spaeter aufheben mussten; diesmal handelte es sich aber um einen ganz normalen Samstag, so dass die Tueren weit geoeffnet standen. Da wir beide ja wohl nicht so die sonderlichen Fans von klassischen Gemaelden sind, ist das Museum Ludwig mit seine vorwiegend modernen Exponaten natuerlich genau der richtige Anlaufpunkt; ich war allerdings auch angenehm davon ueberrascht – vielleicht auch weil es einfach zu lange her ist, dass ich das letzte Mal dort war – dass es ja auch einiges an plastischen Arbeiten in der Ausstellung gibt. Aus dieser Kategorie wohl besonders erwaehnenswert waere die Installation in dem grossen Oberlichtsaal des Museums: ein riesiger Raum, welcher in regelmaessigen Abstaenden unterschiedlichsten Kuenstlern zur Verfuegung gestellt wird, damit dies sich daran probieren koennen. Allein schon angesichts des nutzbaren Volumens ist dies ein nicht ganz triviale Herausforderung – aber auch die sehr spezielle Architektur ist nicht ohne ihre Tuecken (zum einen gibt es eine schmale Treppe, welche von einer Gallerie auf etwas halber Hoehe hinunter in den Saal fuehrt, zum anderen ist die Oberseite nicht geradlinig, sondern hat viertelboegige Einbuchtungen, in welche die Dachfenster eingelassen sind). Die derzeit zu begehende Installation ist (grundsaetzlich) so einfach wie durchaus wirkungsvoll: ueber in System von Stahlseilen sind eine Reihe von Holzbretter in unterschiedlichen Farben und Groessen quer ueber den Raum verteilt – hat ein klein wenig etwas von Schwerelosigkeit, wenn die Seile vor dem inneren Auge verschwinden laesst. Das wesentliche Problem – und ich denke mal, dass damit alle Installationen in diesem Saal zu kaempfen haben – ist, dass ein Betrachter leider nur einen Teil des insgesamt genutzten Volumens begehen kann, so dass dieses Gefuehl des “mittendrin” nur schwer zu erreichen ist. Dennoch ein sehr interessante Idee, welche dazu animiert sich selber einmal Gedanken darueber zu machen, wie man so einen riesigen Saal verwenden koennte (einen recht guten Einfall dazu hatte ich bereits, nur wuesste ich in keinster Weise, wie man es schaffen koennte diesen in die Tat umzusetzen).

Nach etwas mehr ueber drei Stunden machte sich die doch recht trockene Museumsluft bemerkbar, so dass wir beide recht froh waren, als wir wieder draussen vor der Tuere standen und eine kleine Erholungspause in der Sonne einlegen konnten. Dabei ist eigentlich schon fast egal wo rund um den Dom genau man die Zelte aufschlaegt – es gibt jede Menge Menschen zu beobachten, so dass einem garantiert nicht langweilig wird.

Nach dem unvermeidlichen Schlenker durch die Fussgaengerzone – und einige der dort zu findenden Laeden – haben wir uns so langsam wieder Richtung Koelner Sueden aufgemacht; zu einen galt es natuerlich dort spaeter das Auto wieder einzusammeln, zum anderen waren wir beide auf ein koreanisches Restaurant neugierig, welches wir Ende Dezember gefunden hatten. Alleine schon von aussen betrachtet macht das Namdaemun einen sehr interessanten Eindruck: besonderes Merkmal, neben der einigermassen spaerlichen Inneneinrichtung, sind die kupfernen Abzugrohre, welche sich von der Decke zu jedem der Tische hinabsenken. Der Grund fuer diese Besonderheit liegt daran, dass jeder Tisch mit einem Holzkohlegrill ausgestattet ist, auf welchem man sein Essen frisch anbraten kann. Da beim ersten Mal komplett ausgebucht war, haben wir noch einmal einen Anlauf gewagt… angesichts des spaeten Samstag Nachmittag (und des grandiosen Wetters) sicherlich mit deutlich besseren Chancen, auch bei einem spontanen Erscheinen noch einen Tisch zu kriegen. Hat in der Tat geklappt, so dass wir ein wenig spaeter unsere Einweisung in den zu erwartenden Ablauf erhielten: neben einer Salat- und Gemuesebar, gibt es eine Auswahl an Fleischsorten, welche sich auf dem Grill zubereiten lassen (wahlweise gibt es natuerlich auch vegetarische Zutaten, auch wenn da dies Auswahl vielleicht nicht so gross war). Vom Gesamteindruck her muss ich schon sagen war es wirklich recht lecker und was die Atmosphaere des Restaurants als solches betrifft wuerde ich auch nicht merkern wollen (ich finde dieses schlichte recht entpannend). Anmerkungen haette ich nur folgende:

  • Je nach dem, wie sehr man seine Ruhe beim Essen haben will, kann der Kellner es mitunter mit seiner Aufmerksamkeit schon einmal ein wenig zu gut meinen; ich habe aber keine Ahnung, wieviel Personal angestellt ist, so dass es auch durchaus sein kann, dass man jemand anderes bekommt.
  • Der Aufbau des Essens ist ein wenig unflexibel, was dem einen oder anderen ein wenig negativ auffallen wird. Von der Idee her laeuft es so, dass man sich an der Salat- und Gemuesebar immer wieder einzelne Zutaten holen kann, welche sich dann entweder so oder in Kombination mit dem Grillgut essen lassen. Letzteres wird allerdings in fester Folge angeliefert, so dass man keine Freiheit hat, was man in welcher Reihenfolge und Menge essen moechte. Das ist ein wenig schade, denn wenn ich in dem Angebot etwas finde, was mir besonders gefaellt, dann habe ich keine Moeglichkeit davon noch einmal ein wenig nachzubekommen; auch kommen einige Spezialitaeten nicht so richtig zur Geltung, weil diese erst aufgetischt werden, wenn man ggf. schon satt ist. Da waere es doch deutlich schoener dem Gast ein wenig mehr Freiheit in der Zusammenstellung zu lassen, was insgesamt dann zu einem zufriedenstellenderen Esserlebnis fuehren wuerde.
  • Die Auswahl an vegetarischem Grillgut laesst noch ein wenig zu wuenschen uebrig; Julia machte ein wenig ein langes Gesicht, als sie bei einem Nachbestellen noch einmal exakt die gleiche Auswahl an fuenf Dingen vorgesetzt bekam, welche sie schon beim ersten Mal hatte.

So wie dies mitbekommen habe, gibt es das Restaurant noch nicht so sonderlich lange, so dass durchaus gute Chancen bestehen, dass sich einige der aufgefallen Punkte mit der Zeit noch einraenken; aber auch so wuerde ich keinesfalls von einem Besuch abraten, wenn man in Koeln ist und nicht wieder zum 100ten Chinesen laufen will.