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Mon, 16. May 2011 – 10:30

Nachdem ich die ersten beiden Tage des Hamburg-Kurztrips ja schon einigermassen abgedeckt hatte, wird es nun endlich einmal noch Zeit fuer einen Bericht ueber die Ereignisse am Samstag; denn waehrend Donnerstag und Freitag von der Planung her ja eher ein wenig spontan gewesen sind, war der letzte Tag des Aufenthaltes von Anfang an vor allen Dingen dem Besuch der Hanse Spirit vorbehalten. Wenn wir uns noch einmal zurueck erinnern: der urspruengliche Ausloeser fuer die Idee nach Hamburg zu fahren – wenn man einmal ganz allgemein davon absieht, dass die Stadt schon mehrfach auf der Liste moeglicher Reiseziele aufgetauchte – war die Suche nach Gelegenheiten, den Horizont in Sachen Whisky zu erweitern. Nicht dass ich dies als ausschliesslichen Grund dafuer anfuehren wuerde quer durch die Republik zu reisen, aber in diesem Fall kam es einfach so zusammen. Von dem ausgehend, was sich so auf der Website der Messe finden liess, schien dies durchaus einen Besuch wert zu sein:

“Diese Genuß-Messe findet zum ersten Mal statt, startet aber gleich mit einer großen Anzahl an Ausstellern in einer besonderen Location: dem 1911 erbauten Curiohaus im Stadtteil Rotherbaum, wo Sie auf 4 Ebenen mit fast 2000 m2 Ausstellungsfläche die Qual der Wahl haben werden.”

Davon angesteckt war es mit den Grundzuegen der Reiseplanung ja recht schnell gegangen: in weniger als einer Stunde waren sowohl Hotel als auch Zugfahrt gebucht und auch das grobe Drumherum geregelt (was ja in diesem Fall bedeutete, dass ich ein paar Tage in Bonn zugebracht habe).

Bevor es aber an die angekuendigte “Qual der Wahl” ging haben wir zunaechst einmal unsere zeitweilige Unterkunft verlassen: wie ich immer wieder feststellen muss, stellt sich das Packen vor der Rueckreise immer ein wenig komplizierter und weniger effizient dar, als diese vor dem Aufbrechen der Fall ist; ok, zugegeben, es gab mit den festen Schuhen ja durchaus etwas sperrigere Kleidungsstuecke unterzubringen, welche bei der Hinreise nicht in den Koffer gequetscht werden mussten – andererseits gab es auch auch nicht mehr eine halbe Vorratskammer an Obst mitzuschleppen (ok, das war jetzt vielleicht ein klein wenig uebertrieben…). Ansonsten verlief das Auschecken recht reibungslos: da es keine Zimmerschluessel zurueckzubringen gab und die Bezahlung ja schon im Voraus geregelt worden war, haetten wir uns eigentlich ohne weiteren Zwischenstop aus dem Hotel stehlen koennen. Da diesmal allerdings die Zeichen nicht auf einem Abstecher zum um die Ecke liegenden IKEA standen – was angesichts des Gepaecks vielleicht auch ein wenig unhandlich gewesen waere – ergatterte sich Julia ihren morgendlichen Kaffee im Fruehstueckssaal, gleich neben der Rezeption. Mit dem morgenlichen “Hallo-wach-Elixier” ausgestattet ging es dann auf in Richtung Innenstadt.

Was wir uns ja am Vortag schon einmal angeschaut hatten, waren die Schliessfaecher am Hauptbahnhof; da es ja wenig sinnvoll erschien den Koffer den Rest des Tages hinter uns her zu schleppen, haben diesen bis zur Rueckfahrt am Abend einfach in einem Fach deponiert. Die Befuerchtung, dass es vielleicht keine Unterbringungsmoeglichkeit mehr geben koennte, stellte sich gluecklicherweise als unbegruendet heraus: allem Anschein nach waren wir noch rechtzeitig vor dem grossen Ansturm vor Ort, so dass wir recht schnell fuendig geworden sind. Also alles, was den Tag ueber nicht benoetigt wird in das Fach gestopft, Muenze eingeworfen, Schluessel rumgedreht und eingepackt… und dann los.

Mein grundsaetzlich nicht sonderlich gut bestuecktes Wissen um die Hamburger Stadtgeographie hatte ich vor der Abreise zumindest so ergaenzt, dass ich fuer den Weg zum Curiohaus mindestens zwei Varianten anbieten konnte, von welchen eine noch durch den Park ‘Planten un Blomen’ fuehrte. Auch wenn es sich dabei um ein Ausflugsziel von eigenem Reiz handelt, so waren wir in den beiden vorhergehenden Tagen nicht dazu gekommen, diese gruene Oase im Herzen Hamburgs zu erkunden; die Frage war allerdings, ob es mehr Sinn machte dies um die Mittagszeit nachzuholen, oder sich dies lieber fuer den Anschluss an die Whisky-Messe aufzusparen – angesichts der Tatsache, dass ausfuehrliches frische Luft schnappen dann sicherlicher eher angebracht sei, war fuer den Moment also erst einmal nichts mit einem Gang durch den Park, sondern wir sind auf kuerzestem Wege ab in Richtung Stadtteil Rotherbaum. Auch wenn ich dort in der Naehe schon einmal waehrend des LOFAR Workshops vor ein paar Jahren war, so hat es mich in diese spezielle Ecke noch nicht verschlagen; wem aber Teile der Fussgaengerzone noch nicht ein ausreichendes Indiz dafuer sind, dass Hamburg recht wohlhabend ist, der sollte vielleicht mal noch diesen Schlenker jenseits des Bahngleise am Hamburger Congress Center machen.

Curiohaus

Das Curiohaus stellte sich als eine recht noble Adresse heraus; in wie weit nun eine Whisky-Messe unter die Aktivitaeten der “Gesellschaft der Freunde des vaterlaendischen Schul- und Erziehungswesen” (fuer welche das Haus im Jahre 1911 errichtet wurde) fallen wuerde kann ich nicht sagen, aber vom Ambiente her war es wirklich sehr gut getroffen. Wenn ich mir vorstelle man haette versucht dies in einer Messehalle oder aehnlichem unterzubringen, dann waere dies dem Anlass in keinster Weise angebracht gewesen. Aber ich denke mal, dass es ein Stueckchen auch an der Menge der Besucher gelegen hat, dass es moeglich war eine ueberschaubarere Oertlichkeit zu waehlen, ohne sich dennoch dabei gegenseitig auf den Fuessen herumzutrampeln.

Also, was hat es nun mit so einer Whisky-Messe auf sich? Haette ich im Vorhinein nicht sagen koennen, da dies ja das erste Mal war, dass ich bei einer solchen Veranstaltung zugegen war. Ich muss aber sagen, dass sowohl die allgemeine Atmossphaere, sowie Aussteller und Besucher doch ganz angenehm waren. Sicher, es gab auch hier die Faelle, wo man ein wenig den Kopf schuetteln konnte, aber dies hatte eher etwas mit einer gewissen Passion dem edlen Trank gegenueber zu tun, als mit einer Hochnaesigkeit oder Kommunikationsunfaehigkeit. Eher im Gegenteil: wenn man sich ein wenig Zeit nahm, um mit den Leuten zu reden (was wir schon recht ausgibig gemacht haben), dann lernt man eine Reihe interessanter Fakten und Meinungen kennen. Gerade was letztere betrifft scheint es wahrscheinlich mehr als Whisky-Faesser in Schottland zu geben, aber das ist nichts woran man weiter Anstoss nehmen braucht. Sowohl was die Aussteller als auch die Besucher betrifft, so hatte hier jeder so seine Ansichten, was denn nun ein richtiger Whisky zu sein hat und wie dieser herzustellen ist. Da heisst es einfach mal ein offenes Ohr haben und versuchen den Leuten ein wenig auf den Zahn zu fuehlen. Und so kam es dann auch, dass wir doch an einer ganzen Reihe von Staenden durchaus interessante Unterhaltungen gefuehrt haben – einfach mal zur Befriedigung der eigenen Neugierde. Was dem dann eigentlich auch sehr entgegen kam war der Umstand, dass auf dieser Messe fast ausschliesslich Haendler und Vetriebe zu finden waren, kaum einzelne Distillerien; der wesentliche Fortteil davon ist, dass die Ansprechpartner einen breiteren Ueberblick darueber haben, was es allgemein an unterschiedlichsten Whiskys gibt. Da hat dann auch Julia angespornt (die sich ansonsten ja mit dem Probieren ziemlich zurueckgehalten hat), die Gegenueber in Sachen Geruchs- und Geschmacksrichtungen herauszufordern. Je nach dem, wen man dann vor sich hatte, konnte dies richtig interessant werden: wenn der Gegenueber wirklich in seinem Element und auf Zack war, dann liess sich durchaus Entdeckungen machen. So gingen dann das Auffinden des 10-jaehrigen Auchentoshan und des 18-jaehrigen Bunnahabhain eindeutig auf Julias Verhandlungskuenste zurueck.

Auch wenn ich an dieser Stelle sicherlich nicht im Detail auf jeden der angetesteten Whiskys eingehen kann (zumal alles vor Ort durchprobieren einfach unmoeglich war, so dass ich hier bei mir im Schrank noch ein paar Proben stehen habe), so konnten wir mit den Folgenden Bekanntschaft machen:

Daneben hatte ich endlich einmal die Gelegenheit einen der japanischen Whisky’s zu probieren: was da aus dem Osten kommt laesst sich wirklich sehen, auch wenn ich mir noch nicht so ganz sicher bin, welche Sorte genau mal die Anschaffung einer Flasche wert ist. Darueber hinaus waren wir noch einer Abfueller aus Salzgitter ueber den Weg gelaufen (ich hoffe mal, dass ich die hier neben mir liegende Karte auch richtig zuordne), welcher einen ganz anderen Ansatz verfolgte: statt bereits gealterte und normal dimensionierte Faesser zu verwenden (typischerweise vorher mit Sherry oder Bordeaux gefuellt), landete hier der Whisky in recht jungen und sehr kleinen Faessern, was dem Endprodukt einen mehr Holzsaft-artigen Geschmackston verlieh. In diesem, wie auch in anderen Faellen, konnte man sich eine sehr stark gepraegte Meinung anhoeren, warum nun gerade dies eine vernuenftige Vorgehensweise sei. Wie bereits erwaehnt: bei diesem Volk von Geniessern hat so ziemlich jeder seine ganz persoenlichen Ansichten ueber die Zubereitung und Eigenschaften seines Lieblingstrankes… worueber dann sehr passioniert gestritten wird (was aber, so wie sich dies beobachten liess, in einer friedlichen Weise geschieht).

Planten un Blomen

Die Zeit ist recht schnell verflogen, so dass die dreineinhalb Stunden (irgendwo in dieser Groessenordnung hat es sicht bewegt), garnicht so lange vorkamen. Hilfreich kam hierbei sicherlich hinzu, dass es von den Luftverhaeltnissen recht angenehm war, so dass sich nicht die ansonsten bekannte Museumsmuedigkeit eingeschlichen hat (mir ist schon klar, dass man die Umgebung in einem Museum recht gut unter Kontrolle behalten muss, aber wenn man sich laenger in dieser Umgebung aufhaelt, dann ist man anschliessend schon ziemlich froh, wenn man sich wieder an der frischen Luft bewegen kann). Auch wenn dies also in diesem Fall nicht zu verzeichnen war, so stellte sich der anschliessende Ausflug in den Park Planten un Blomen als genau das richtige Kontrastprogramm heraus; auch wenn wir zwei Tage zuvor schon in Naehe gewesen sind, so stand dieser Abstecher immer noch aus, vor allen Dingen weil ich mir auch ziemlich sicher war, das dies etwas ganz nach Julias Geschmack sein wuerde. Wie sich herausstellte lag ich mit dieser Vermutung garnicht so verkehrt – allein schade war nur, dass wir zu spaet waren, um auch die Tropengewaechshaeuser zu besuchen (muss also auf der Liste fuer eine kommende Reise bleiben). ‘Planten un Blomen’ ist wirklich grossartig und hat in der Tat den Charakter eines Volkspark, in welchem sich Menschen einfach ein wenig ins Gruene setzen koennen… oder hierher kommen um Sport zu machen, zu Lesen, etc. Wenn wir fuer mehr als nur einen Kurztrip in der Stadt gewesen waeren, haetten wir uns sicherlich auch oefters hier eingefunden, zumal das Wetter wirklich toll mitgespielt hat.

Innere Elbe

Den Abschluss unseres Aufenthaltes in des Hansestadt hatten wir ja schon am Vorabend entschieden: nachdem wir von dem Asia Quick so begeistert waren – uns aber leider nicht mit einem Male so weit durch die Karte essen konnten, wie dies von Interesse gewesen waere – sind wir dort noch einmal eingekehrt. Sehr, sehr lecker.

Zum Bahnhof rennen mussten wir nicht, denn zum einen waren es wirklich nur ein paar Fussminuten bis dorthin (was ein Stueck weit auch mit zu der Entscheidungen fuer das Abendessen gefuehrt hatte), zum anderen fuehrt der Zug erst um viertel vor elf ab. Hat von der Planung her alles so gut geklappt, dass wir deutlich vor der Ankunft des IC bereits am Gleis eintrafen… so zeitig in der Tat, dass wir sogar noch die vom Fussballspiel heimkommenden Fans mitbekommen konnten, welche unter grossem Polizeigeleit von den Zuege aus dem Bahnhof begleitet wurden.