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Sat, 04. June 2011 – 12:16

Gut zu wissen, dass es doch Ecken von Amsterdam gibt, wo man nicht von allen Seiten von Beton und Stein umgeben ist. Waehrend letztes im naehren Umfeld der Wohnung durchaus eher der Fall ist – sieht man einmal ein wenig vom Flevopark ab, welchen ich aber auch nicht so sonderlich spektakulaer finde – habe ich nach wie vor die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Amsterdam durchaus auch noch andere Gesichter zu bieten hat. Diese zu finden ist sicherlich nicht ganz so einfach, denn wenn es ein durchgehendes Thema gibt, unter welchem die Stadt steht, dann ist es sicherlich der Mangel an Platz und Wohnraum; nicht ohne Gruende schiessen an allen nur erdenklichen Ecken mehrstoeckige Wohnbloecke in die Hoehe und an vielen Stellen kommt man sich ein wenig vor wie in einem tiefen Tal, welches ringsum von Mauern eingerahmt wird.

Gluecklicherweise ist es aber nicht ueberall ganz so schlimm. Wenn ich mir vor Augen halte, wo ich die letzten beiden Tage unterwegs war, dann hat sich mein Eindruck von Amsterdam doch ein gutes Stueck weit gebessert; ich finde die Stadt zwar immer noch ziemlich ueberlaufen und ohne wirklichen Charakter, aber zumindest weiss ich jetzt, dass es auch durchaus noch andere Seiten gibt. Waehrend ich den Donnerstag Nachmittag dafuer genutzt habe, hier von Zeeburg aus eine Rundgang entlang der anderen Seite der Ij zu starten, so habe ich mich heute in Richtung Amsterdam West durchgeschlagen. Das sind von meiner Wohnung aus gesehen schon ein paar Kilometer, so dass ich zunaechst ueberlegt hatte zumindest bis zum zum Hauptbahnhof mit dem Zug zu fahren, aber angesichts des Wetters habe ich mich dann doch lieber fuer den Fussweg entschieden. Der einzige kleine Nachteil an dem Vorhaben war allerdings, dass ich einmal quer durch die Innenstadt musste, um in die Aussenbereiche auf der von hier aus gesehen gegenueberliegenden Seite zu kommen; ich muss sagen, dass ich doch recht froh war, als ich ueber die ersten beiden Kanaele hinaus war und es wieder ruhiger wurde (alles was sich rechts und links der direkt vom Bahnhof ausgehenden Strasse befindet, ist einfach total ueberlaufen). Finde ich immer erstaunlich, wie sehr sich auch die ueberwiegende Zahl der Touristen in einem bestimmten Bereich knubbelt: ist sind mitunter wirklich nur ein oder zwei Parallelstrassen, dann kann man mit einem Male wieder ungehindert einen Fuss vor den anderen setzen.

Ins Visier genommen hatte ich diesmal den Frederik Hendrikplatplantsoen, ein kleinerer Park (zumindest von dem her was ich auf der Karte erkennen konnte) sued-westlich vom Hauptbahnhof. Ok, wenn ich hier sage ein Stueck, dann waren dies immer noch gut zwei Kilometer, oder so, was nun aber auch keine zu grosse Entfernung darstellt. Sehr zu meiner Begeisterung fuehrte der Weg dorthin durch Teile von Amsterdam, welche ich bisher noch nicht gesehen habe, so dass es also wieder etwas zu entdecken gab; so finden sich doch auch einige Strassenzuege, welche verwinkelt sind, mit kleinen Laeden, Restaurants und Wohnhaeusern, welche nicht wie mit dem Lineal gezogen wirken. Von dem, was ich so gesehen habe, bin ich ziemlich fest davon ueberzeugt, dass sich dort noch so manche Entdeckung machen laesst, aber dafuer muesste ich mir wirklich einmal noch die weiteren Strassen in diesem Bereich vornehmen. Im Vergleich mit dem Weg dorthin stellte sich der Frederik Hendrikplatplantsoen als recht unspektakulaer und kleiner heraus, als ich dies von der Karte her erwartet haette, so dass dies keinesfalls als Ziel des Aufflugs in Frage kommen konnte; also noch einmal einen Blick auf die Karte geworfen, um zu schauen, was sich denn sonst noch so in Reichweite befindet. Stellte sich heraus, dass ich mich bereits so weit in den Amsterdamer Westen vorgewagt hatte, dass es bis zum Westerpark nur noch ein recht kleiner Sprung war: also die Navigation auf das neue Ziel eingestellt und losgelaufen.

Amsterdam

Da ich ja schon einige Wanderungen quer durch Amsterdam hinter mir habe, war dies doch nicht das erste Mal, dass ich mich in der Gegend aufgehalten habe; so war ich am letzten Wochenende schon einmal ein Stueck westlich vom Bahnhof unterwegs, hatte es aber aufgrund des zunehmend schlechter werdenden Wetters nicht weiter geschafft als bin zum oestlichen Zipfel des Westerpark. Diesmal allerdings bin ich fast genau vom anderen Ende gekommen, so dass ich mir diesen gruenen Flecken auf der Karte mal ein wenig genauer anschauen konnte. Was ich da zu sehen bekommen habe, hat mir wirklich gut gefallen: der oestliche Teil ist zwar ziemlich ueberlaufen (vor allen Dingen bei einem so sonningen Wetter wie dies der Fall war), aber der mehr westliche Teil ist eine Mixtur aus Naturschutzgebiet und Industriemonument. Auch wenn ich bisher noch nicht die Gelegenheit hatte mich da ein wenig schlau zu machen, so wuerde ich doch darauf tippen, das zumindest ein Teil des Parks urspruenglich Industriegelaende war, welches rekultiviert wurde. Die noch verbliebenen Gebaeude passen sich recht harmonisch in das Gelaende ein, so dass diese mit Baeumen und Huegeln verschmelzen. Besonders angetan hat es mir persoenlich der Wassernaturgarten (oder wie auch immer man dies in einigermassen vernuenftiger Weise ins Deutsche uebersetzt): was sich dahinter verbirgt ist ein groesserer Bereich des Parks, welches als eine Art Naturlehrpfad angelegt ist, und einen Einblick in die Lebensumgebung entlang von Gewaessern bietet. Einige Bereiche waren leider aufgrund der Vogelbrutzeiten nicht zugaenglich, aber das schmaelert den Eindruck nur unwesentlich. Was mich dann aber doch ein wenig geaergert hat war die Tatsache, dass ich mich in letzter Minute dagegenentschieden hatte etwas zu lesen mitzunehmen – dies ist wirklich ein Platz um die Seele ein wenig baumeln zu lassen und fuer eine Weile alles drumherum zu vergessen.