{title:}

Sun, 19. June 2011 – 16:20

Im Vorfeld des Pizza Lunch Talk am Donnerstag ergab sich eine recht interessante Diskussion mit Carsten Dominik und Ian Avruch – letzterer war als Gastsprecher fuer den Talk eingeladen (zum Thema Open-Time Proposals fuer Herschel); in diesem Fall handelte es sich ein wenig um ein Wiedersehen, denn Ian kenne ich noch auch meiner Zeit bei ASTRON, waehrend welcher er bei JIVE gearbeitet hat. Aus diesem Grunde blieb es nicht einfach nur bei einem kurzen “Hallo” sagen, sondern es entwickelte sich eine recht interessante Unterhaltung, welche im wesentlichen dadurch unterbrochen wurde, dass es langsam Zeit fuer den Talk wurde.

Ausgehend von den ueblichen Fragen zu den Aktivitaeten seit dem letzten Aufeinandertreffen – das duerfte wahrscheinlich sogar gewesen sein, als ich noch in Nijmegen war – driftete die Unterhaltung nach und nach hin zu aktuelleren Ereignissen (wie zum Beispiel der vor kurzem erfolgten Verleihung des Spinoza-Preises). In diesem Zusammenhang kam dann auch die Frage auf, wie sich die Uni von Amsterdam so im Vergleich zu ASTRON machen wuerde. Ich denke mal rein von der Wohnsituation her ist dies recht einfach einen Unterschied festzustellen; was die Arbeitsumgebung hingegen betrifft wird es schon ein wenig komplizierter, weil hier eine Antwort notgedrungen komplizierter ausfallen muss. Wenn ich alles in Betracht ziehe, dann muss ich nach wie vor sagen, dass mir eine mehr technisch orientierte Umgebung wie bei ASTRON deutlich mehr liegt, als dies im API der Fall ist: der ganz banale, aber dennoch nicht zu vernachlaessigende Punkt, ist, dass meiner Wahrnehmung nach im API eine deutlich geringere Wertschaetzung gegenueber technischen Aspekten eines Problems existiert, als dies in einem entwicklungsorientierten Institut wie ASTRON der Fall ist. Statt die technischen Details (und damit meine ich sowohl Hardware als auch Software) als integralen Bestandteil der Aufgabenstellung zu begreifen, wird dies hier gerne als laestiges Beiwerk gesehen; dementsprechend besteht von Seiten vieler Leute her wenig Verstaendnis dafuer, dass es a) Menschen gibt welche sich lieber vorrangig damit beschaeftigen und b) die damit verbundenen Problemstellung und Loesungsansaetze ebenfalls einen Wert in sich darstellen. Neben der Ausleuchtung dieser unterschiedlichen Blickwinkel brachte Carsten dann eine interessante Frage auf, welche Ian und ich eigentlich sehr aehnlich beantworteten: ist die eigentliche wissenschaftliche Fragestellung nicht noetig fuer die Motivation an den eher technischen Problemen, benoetigt man nicht den Blick auf die Beantwortung der urspruenglichen Fragestellung als Triebfeder, um sich der Loesung der damit aufgeworfenen eher technischen Aspekte zu widmen? Ich neige hier eher dazu dies mit einem leichten “nein” zu beantworten. Warum? Wie ich bereits bei meiner Diplomarbeit feststellen konnte, liegt fuer mich die Faszination eher in der Suche nach einer allgemeineren Loesung, welche sich durch ein gewisses Mass an Abstraktion von der eigentlichen Problemstellung ergibt; durch eben diese Abstraktion gewinnt man auf der einen Seite zwar ein wenig Abstand zu dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand, gewinnt aber auf der anderen Seite ein weiteres Gesichtsfeld, welches den Blick auf neue Loesungsansaetze ermoeglicht. Zu einem gewissen Grad ist es dann auch die Eleganz und Schoenheit der Loesung, welche besonders erstrebenswert erscheint; nicht nur einfach eine “funktioniert fuer diesen Fall”-Loesung, sondern etwas dass gerade aufgrund seiner Abstraktion durchaus uebertragbar ist. Folgerichtig ergibt sich die Motivation fuer mich nicht unbedingt aus der urspruenglichen (wissenschaftlichen) Fragestellung, sondern eher aus dem daraus abgeleiteten und abstrahierten Problem.