{title:}

Wed, 22. June 2011 – 10:12

Auch wenn es eine Weile gedauert hat, so wuerde ich ohne jeglichen Zweifel behaupten dass sich das Warten gelohnt hat: am Mittwoch letzter Woche waren wir im Bonner Pantheon Theater, um uns dort Volker Pispers anzuhoeren und -schauen. Dass dies gut werden wuerde hatte ich eigentlich nicht bezweifelt, aber was der Mann da an verbalem Feuerwerk abgefackelt hat, das war einfach nur grandios. Da kann man sich so oft man will Aufnahmen anhoeren oder anschauen – kriegt man dies aber live mit, dann ist dies noch einmal ein ganz anderes Erlebnis, wogegen einfach keine Konserve mithalten kann.

Geht man ein wenig zum Beginn des Jahres zurueck, dann war noch nicht einmal klar, ob es ueberhaupt mit dem Theater-Besuch klappen wuerde. Nachdem sowohl Julia als auch ich von den diversen Live-Mitschnitten derart begeistert waren, stand ziemlich ausser Frage, dass da ein Theater-Abstecher angebracht war. Wie sich allerdings heraustellte, ist dies keine so triviale Sache: als wir uns im letzten Herbst auf die Suche nach Auftrittsterminen gemacht haben, musste wir sehr zu unserem Leidwesen feststellen, dass auf absehbare Zeit alles restlos ausgebucht war. Selbst wenn man sich die Daten fuer 2011 anschaute, sah es nicht sonderlich besser aus, denn auch dort war schon alles bis weit ins Jahr hinein ausverkauft. Wie sich allerdings bei einer genaueren Recherche herausstellte, gab es dennoch ein paar Termine, wo man sich Chancen ausrechnen konnte: dies lag aber vor allen Dingen daran, dass der Vorverkauf dafuer noch nicht eroeffnet war. Also noch einmal schnell die Tourplanungen ueberflogen, um festzustellen dass zwei Auftritte in Bonn geplant waren – einer in der Beethoven-Halle und einer im Pantheon. Letzteres gehoerte ja zu den Adressen, welche ich immer wieder schon einmal im Visier gehabt hatte, wo es allerdings bisher stehts mit der Umsetzung gehapert hatte. Vor die Wahl gestellt, welches Theater ich denn vorziehen wuerde, war eigentlich von vorne herein klar, dass ich dem Pantheon eindeutig den Vorzug geben wuerde: das Theater ist einfach deutlich kleiner und atmosphaerischer, als dies bei einem grossen Saal der Fall sein kann. Darueber hinau muss man natuerlich auch ganz deutlich sagen, dass das Pantheon einfach eine der Adressen in Sachen Kleinkunsttheater ist, so dass ich schon allein aus diesem Grunde lieber dorthin gehen wollte. Die Sache hatte allerdings einen kleinen Haken: aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades (von Kuenstler und Theater), sowie der recht geringen Anzahl an Sitzplaetzen, war fest damit zu rechnen dass es mit dem Kartenkauf schwer werden wuerde. Ok, leichte Untertreibung, denn an dem auf Mitte Januar festgelegten Vorverkaufsstart waren die Karten innerhalb einer Viertelstunde weg! Aus einem mir nicht so ganz erfindlichen Grunde bin ich diesmal aber ein wenig hartnaeckgiger geblieben, so dass ich dafuer gesorgt habe, dass ich auf der Reserveliste lande; fuer den Fall dass also noch einmal Karten frei wuerden, bleib somit also durchaus noch eine Chance erhalten zu dem Termin im Juni gehen zu koennen. Also Kontaktinformationen hinterlegen und die Daumen druecken… Dauerte eine Weile, aber schliesslich im April kam dann der Anruf (ich glaube so um den Abstecher nach Hamburg) mit der guten Nachricht, dass in der Tat zwei Karten zurueckgegeben worden seien; also schnellstens auf den Weg zum Pantheon gemacht, um mir diese zu sichern!

Noch einmal knapp zwei Montage spaeter, am achten Juni, war es dann endlich so weit; da Julia am spaeten Nachmittag noch eine Sportstunde geben musste, bin ich rechtzeitig in Richtung Pantheon aufgebrochen, um uns vernuenftige Sitzplaetze zu sichern. Auch wenn ich schon kurz nach sieben vor Ort war, traf ich einen gut gefuellten Theatersaal an; mit ein wenig Suchen gelang es mir dann aber doch zwei recht gute Plaetze dicht bei der Buehne zu ergattern (erst einmal nehmen was recht schnell finden kann und von dort aus noch einmal auf Suche nach einem Upgrade gehen). Als Julia dann so gegen zwanzig vor acht eintraf hatte ich schon ein wenig die Gelegenheit mir Gedanken ueber die moeglichen Themenpunkte des Abends zu machen; dazu muss man sagen, dass “Bis neulich” urspruenglich als eine Art Best-of Programm entstanden ist, sich seit dem aber konstant weiter entwickelt und veraendert hat. Was daraus entstanden ist (bzw. immer noch weiter entsteht) laesst sich mit Recht als eine recht wilde und anspruchsvolle Mixture als alten und neuen Texten und Beobachtungen umschreiben (auch wenn ich natuerlich jedem eindringlich anraten wuerde sich selber eine Meinung darueber zu bilden). Da ich aufgrund der Planung ja ein wenig Wartezeit fuer mich hatte, bin ich im Kopf mal ein klein wenig durchgegangen, was es denn so im letzten halben Jahr alles an interessanten politischen und gesellschaftlichen Debatten gegeben hat; der dynamischen Natur des Programms folgend war eigentlich zu erwarten, dass sich so einiges davon an diesem Abend wiederfinden wuerde. Also noch einmal die Dinge Revue passieren lassen, welche mir noch im Gedaechtnis geblieben waren; auch wenn ich sicherlich nicht zu den alleraufmerksamsten Nachrichten-Junkies gehoere, so bilde ich mir schon ein wenig ein die Lage in Deutschland nach wie vor einigermassen aufmerksam mitzuverfolgen. Die offene Frage an dieser Stelle musste allerdings ganz klar bleiben, wie aktuell denn die Geschehnisse sein durften, dass diese bereits im Programm Niederschlag gefunden haben; wie sich herausstellt bleibt Pispers dem Tagesgeschaeft sehr dicht auf den Fersen, so dass alles, was ich Julia gegenueber als potentielle Themen benennen konnte, auch wirklich auf die eine oder andere Weise auftauchte (was auf der anderen Seite fuer mich wiederum die Bestaetigung ist, dass ich anscheinend nach wie vor einigermassen auf dem Laufenden bin).

Was laesst sich aber nun insgesamt zu dem Abend sagen? Wie bereits erwaehnt, sollte man sich ganz klar auf ein verbales Feuerwerk gefasst machen (“Sprache muss doch auch etwas sinnliches haben!”); dass man anschliessend jeden seiner Gesichtsmuskeln auf recht schmerzhafte Weise spueren kann, liegt eindeutlich an der leichten Ueberbeanspruchung. Dabei sollte man aber eine ganz klar sagen: es handelt sich hier um alles andere als eine blosse Abfolge von irgendwelchen Gags – wer Pispers durch den Abend folgen will muss aufpassen und das Gehirn mitarbeiten lassen. So wir der Mann mitunter in einem netten Plauderton messerschafe Kommentare von sich gibt (“Frau Merkel zitiere ich am Liebsten im Originalton – ich habe bisher noch keine bessere Moeglichkeit gefunden die Frau zu beleidigen.”), so sehr kann er aus dem Stand in einen abgrundschwarzen Humor wechseln, welcher einem das Lachen im Halse stecken bleiben laesst (auch wenn man es dort meist nicht sonderlich lange unter Kontrolle behalten kann). Dass es dabei eben nicht einfach nur um irgendwelche zusammenerfundenen Geschichten geht, sondern um den ganz alltaeglichen Wahnsinn unser aller Leben, ist der besondere Umstand welcher einen dann doch mehr als nur ein wenig nachdenklich zuruecklaesst. Und nicht nur dass: wer also ein wenig fuer die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus vorsorgen will, der sollte sich Pispers nicht nur anhoeren, sondern auch die Eintrittskarte gut aufheben (“Fuer die Zeit nach dem Zusammenbruch des Systems…”) – genauere Details gibt es vor Ort, also unbedingt hingehen!