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Fri, 08. July 2011 – 08:30

Dass ich ja ueber einen kaum zu befridigenden Durst an Musik (und auch immer wieder neuer, bisher noch nicht bekannter Musik) verfuege, duerfte ja nichts sonderlich neues sein. Dass ich mitunter aber auch noch einmal ganz grundlegende Luecken in meinem musikalischen Wissensschatz nachholen muss, verwundert mich allerdings manchmal schon ein wenig: es finden sich doch immer wieder Kuenstler und Alben, welche komplett an meinen Ohren vorbeigezogen sind. Dass es sich aber wie in diesem Fall ausgerechnet um eine Band handelt, welche geradezu einmaliger Weise zum weltweiten Kulturgedaechtnis gehoert, ist natuerlich noch beschaehmender; andererseits kann ich mir durchaus gut vorstellen, dass ich da keineswegs der einzige bin, der feststellen kann, dass bestimmte Teile des kuenstlerischen Schaffens bisher uebersehen wurden. Daher also mal die Frage in den Raum gestellt: wer kann von sich behaupten das 1970er “Let it be” Album der Beatles wirklich einmal komplett gehoert zu haben? Sicher, ein guter Teil der Stuecke ist bestens bekannt, aller Wahrscheinlichkeit nach durch ihr Auftauchen auf dem recht bekannten “Blue Album”: “The long and winding road”, “Get back” und natuerlich “Let it be” duerften wohl jedem gelaeufig sein? Wer aber hat schon einmal etwas von den anderen auf dem Original-Album vertretenen Songs gehoert: “Dig a pony”, I me mine”, One after 909” oder “For you blue”. Ich denke mal, dass an der Stelle wohl die meisten ins Schwimmen geraten. Der Grund? “Let it be” gehoert wohl wieder zu jenen Alben, welche die meisten von den beruehmtesten Stuecken her kennen, welches aber wohl nur wenige einmal in seiner urspruenglichen Zusammenstellung gehoert haben. Kann ich ja nicht ganz verdenken, denn ist mir bis gestern eben so gegangen, weil ich das Album als solches nie richtig wahrgenommen habe. Klar, letzten Endes ist darauf nicht alles in gleicher Weise erinnerungswuerdig, wie eben die wirkliche bekannten Stuecke; es macht aber schon einen Unterschied, ob einzelne Teil aus dem Kontext herausloest oder sich auch einmal das Album in seiner urspruenglich veroeffentlichten Fassung anhoert – dies vermittelt einfach noch einmal einen viel kompletteren musikalischen Eindruck. Typischerweise machen sich Leute schon Gedanken dabei, in welcher Weise die einzelnen Stuecke auf einem Album zusammengestellt und aneinandergereiht werde: ein so auf diese Weise erstellter musikalischer Spannungsbogen geht natuerlich komplett verloren, wenn man einfach einzelne Stuecke aus diesem Gefuege hinausloest (was dann vielleicht auch den Grossteil einer Erklaerung dafuer liefert, warum ist meist eine gewisse Abneigung gegen “Best-of” Alben habe).

Ein ganz anderer Punkt ist mir beim Hoeren aber auch wieder deutlich geworden (und auch dies ist nichts so wirklich neues): waehrend die Beatles durchaus einiges in Sachen Komposition und Arrangements vorzuweisen haben, war eigentlich keiner der vier ein sonderlich beeindruckender Instrumentalist. Vielleicht war es auch etwas unvorteilhaft, dass ich kurz vorher noch Dream Theater gehoert habe (was natuerlich fuer die meisten Musiker eine gewisse Fallhoehe erzeugt), aber auch ohne dies fallen gewisse Unzulaenglichkeiten in der Beherrschung der Instrumente auf. Ich meine so etwas wie “Let it be” ist sicherlich ein grossartiger Song, wunderbar auch von der Struktur und vom Spannungsbogen her aufgebaut; verschliesst man aber zeitens des Gitarrensolos nicht die Ohren, dann ist unverkennbar, dass ja jemand arg mit den Seiten zu kaempfen hat und die Toene einfach nicht fluessig kommen wollen. Erinnert mich ein wenig daran, als ich vor ein paar Jahren in Einhoven zum ersten Mal Threshold gehoert habe; als dann anschliessend Within Temptation (und dies als Hauptact des Abends) auf die Buehne kamen, war ich von den beiden Gitarristen ziemlich enttaeuscht, weil man hier wirklich einmal einen ganz klaren Vergleich vorliegen hatte. Ein Stueck weit geht es dann auch so mit den vier Ex-Pilzkoepfen: wenn man sich einmal in Erinnerung ruft, wer um die gleiche Zeit ebenfalls zu den musikalische Schaffenden gehoerte (als direkte Zeitgenossen fallen mir hier spontan Pink Floyd und Yes ein, dann liegen da von den instrumentellen Fertigkeiten Welten zwischen. Sicher, das allein macht es auch nicht, aber eine noch so tolle Komposition kann wiederum auch nicht zur vollen Entfaltung kommen, wenn es am technischen Handwerk der beteiligten Musiker mangelt.