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Tue, 23. August 2011 – 08:18

Auch wenn dies jetzt nicht etwas mit meinem Umzug zu tun hat, so war der Montag Abend schon ein kleines wenig wie ein erster Abschied von Amsterdam. Nachdem ich mich den Nachmittag ueber – leider nicht mit gemixtem Erfolg – mit der Konfiguration der AARTFAAC Software herumgeschlagen habe, war es nun doch schon wieder spaeter geworden, als ich mir dies eigentlich vorgenommen hatte. Nicht dass es jetzt einen besonderen Drang geben wuerde nach Hause zu verschwinden, aber da ich den Abend ja wenigstens noch ein klein wenig zum Aufraeumen und Packen nutzen wollte, machte es ja wenig Sinn bis tief in die Nacht an der Uni zu verweilen; was ich aber trotzdem noch zu Ende bringen wollte war, dass zumindest noch ein paar Mails rausgehen, ehe ich von der Uni verschwinde. Waehrend ich aber noch damit beschaeftigt war, vor mich hin zu tippen, machte Martin die Runde, um die hinter den Schreibtischen Verbliebenen zu einem Abstecher in den Innenhof zu ueberzeugen; trotz des im Laufe des Nachmittages eingesetzten Regens waren doch ausreichend Leute der Einladung zum Grillen gefolgt – eine kleine Gruppe hatte sich unter dem Schutz der Ueberdachung eingefunden. Auch wenn ich bei derartigen Anfragen typischerweise eher vorgezogen habe andere Dinge zu machen, dachte ich mir, dass es sicherlich nicht schaden kann, sich ab und zu mal unter die anderen Gesichter des Instituts zu mischen: also habe ich noch schnell meine Mails zu Ende geschrieben, mir die Kamera geschnappt und mich in den Innenhof begeben.

Das aus diesem kurzen Abstecher dann aber ein laengerer Abend werden wuerde, haette ich mir auch nicht denken lassen. Da ich jetzt nicht so sonderlich scharf auf das Grillgut war (ich habe allerdings nachher doch mal eine Folienkartoffel probiert), habe ich mich lieber ein wenig unterhalten und Bilder gemacht. Ich konnte jetzt niemand anderes mit einer Kamera entdecken, so dass ich einfach probiert habe ein paar Eindruecke festzuhalten; das scheint nach einer Weile recht automatisch zu kommen, weil ich – wenn ich Menschen eine Weile zuschaue – dann den Blick umherstreifen lasse, auf Details zu achten beginne und mir Gedanken darueber mache, welche Perspektiven und Momente interessant waeren festzuhalten. Was ich bei dieser Gelegenheit dann auch wieder einmal feststellen konnte ist, dass es wirklich Spass macht (und auf der anderen Site auch eine wirkliche Herausforderung ist), mit dem 50mm f/1.4 zu photographieren: da man eben nicht die Moeglichkeit hat mit einem Zoom zu arbeiten, muss man sich eben bewegen um die Perspektive einzufangen welche man haben will – dies fuehrt dann fast unweigerlich zu Entdeckungen, die man man keinesfalls machen wuerde, wenn man einfach nur an einer Stelle stehen bleibt und nur mit dem Objekt arbeitet.

Nach und nach lichteten sich aber die Reihen, so dass ich irgendwann nur noch mit Martin und Peter zusammenstand und mich mit einem Male in einer recht angeregten Debatte ueber kontroverse medizinische Forschung wiederfand. Die Untersuchungen, welche zu einem hitzigen Meinungsaustausch fuehrten war mir zwar nicht bekannt, aber das heisst ja keinesfalls, dass es dabei keinerlei interessante Aspekte und Fragestellungen gibt, zu welchen man versuchen kann eine Meinung zu entwickeln. Je laenger diese Debatte andauerte, desto mehr fuehlte ich mich an so manche Situationen seinerzeit in Spanien erinnert, wo ich einfach nur mit Unmengen von Informationen in einer nicht 100%ig fluessigen Sprache bombardiert wurde, dennoch aber gut in der Lage war zu folgen. Martin fiel dann zwar irgendwann einmal auf, dass er immer schneller und angeregter am Reden war; als ich dann auf die Frage hin ob ich denn ueberhaupt folgen koennte mich “ja” antwortete, brachte mir dies sogar ein Lob fuer meine mittlerweile erworbenen Niederlaendischkenntnisse ein (ziemlich genau die Situation wie an so manchem Abend in Granada). Da merkt man also doch ein Stueck weit, dass ich eine Weile hier im Lande zugebracht und mich einzuleben versucht habe; sicher, meine Sprachkenntnisse sind immer noch weit davon entfernt perfekt zu sein, aber wenn man einmal gelernt hat die Scheu abzulegen, dann ist es doch recht leicht sich einzubringen. Das macht mich dann immer ein wenig nachdenklich, wenn ich Leuten ueber den Weg laufe, welche auch nach Jahren in einem anderen Land immer noch nicht in der Lage sind, sich zumindest grundlegend zu verstaendigen, oder vielleicht sogar noch nicht einmal Interesse daran zeigen sich mit der Sprache zu beschaeftigen.