Diesen Ausspruch findet man, in der einen oder anderen Variante immer wieder vor, wenn man sich die “Du gehst, du sprichst, du singst, du tanzt” betitelten Erinnerungen von Giora Feidman zur Hand nimmt. Dahinter verbirgt sich allem Anschein noch nicht einmal unbedingt eine aufgesetzte Naivitaet, sondern eine mitunter schon fast kindlich anmutende Bescheidenheit im Bezug auf die eigene Rolle und deren Bedeutung. Sicher, der Mann hat in seinem Leben eine ganze Menge musikalisches vollbracht, aber dennoch scheint er sich im Kern die Seele eines von Konzert zu Konzert ziehenden Musiker bewahrt zu haben. Dass es sich bei diesen Konzerten nicht mehr, so wie in den ersten Jahren, um Feste in der juedischen Gemeinde handelt, sondern quer ueber den Globus verteilte Buehnen sind, ist dabei wohl nur von nebensaechlicher Bedeutung – letzten Endes ist es ja eh immer wieder die Musik, welche die Hauptrolle spielt. Da kann es dann auch schon einmal vorkommen, dass es noetig wird die Rolle des Musikers als Figur ein wenig in den Hintergrund treten zu lassen und auch klar zu machen, wie es um die Besitzverhaeltnisse gestellt ist:

“So wie dem Brieftraeger die Post nicht gehoert, die er verteilt, so gehoert mir die Musik nicht, die ich spiele. Ich bin lediglich der Ueberbringer, der mit seinem Zuhoerern singt und spricht.”

Ist ein wirklich sehr schoenes und gut lesbares Buch geworden, welches da in Zusammenarbeit mit Minka Wolters entstanden ist. Keine sonderlich komplizierte Sprache, vielmehr eine Aneinanderreihung von Erinnerungen, welche dann zu einem Bogen vereinigt werden. Gegenueber der ebenfalls in Erwaegung gezogenen Alternative (naemlich “Die Enden der Welt” von Roger Willemsen) war dies sicherlich die einfachere Kost, aber es kann sicherlich nicht schaden sich auf diese Weise erst einmal ein wenig “warmzulesen”, ehe es dann an die sprachlich ausgefeilteren Buecher geht. Da ich ja rund Weihnachten wieder einmal feststellen musste, wie viele ungelesene Buecher ich immer noch bei mir im Schrank stehen habe, versuche ich mit dem Beginn diesen Jahres ein klein wenig systematischer vorzugehen, so dass ich den Berg endlich einmal etwas reduziert bekomme; aus dem Vorhaben zunaechst einmal keine weiteren Anschaffungen vorzunehmen ist zwar nichts geworden, aber a) ist dies noch im letzten Jahr geschehen und b) hatte ich mir das Feidman Buch ja noch nicht einmal selber zugelegt.