Heute Morgen war es also soweit: nachdem ich nun eine Weile nach Stellen gesucht habe – wenn auch eigentlich wiederum nicht so lange – stand um 10 Uhr ein Vorstellungsgespraech bei dem Team von prometheus auf dem Plan. Auch wenn ich mich ja durchaus nach einer Reihe unterschiedlicher Stellen umgeschaut hatte, so war ich schon bei ersten Durchlesen der Stellenbeschreibung Feuer und Flamme:

Wir suchen eine engagierte Persönlichkeit, die unser Projekt auf der technischen Seite unterstützt, weiter voranbringt und mit neuen Ideen fit macht für die Zukunft. Dies beinhaltet sowohl die Weiterentwicklung unserer zentralen Bildarchivanwendung pandora als auch Erstellung und Pflege von Tools und Libraries, die zusätzliche Dienste realisieren bzw. im Hintergrund werkeln. All unsere Software veröffentlichen wir übrigens in der Regel als Open Source. Neben der Entwicklungstätigkeit schließt das Stellenprofil einen geringeren Anteil Systemadministration ein – man will ja auch mal etwas Abwechslung.

Nun kann man sicherlicht nicht behaupten, dass ich in den vergangenen Jahren in groesserer Weise in den Geisteswissenschaften unterwegs gewesen waere, geschweige denn in den Reihen der Kunsthistoriker – aber als ich mir dann aber noch die Projektbeschreibung ein klein wenig genauer unter die Lupe genommen habe, zeichnete sich schon recht deutlich ab, dass dies fast schon wie fuer mich gemacht sein koennte. Mit meinem stetig wachsenden Interesse am Aufrichten und Weiterentwickeln von Infrastrukturen, schien der Job genau die richtige Mischung mitzubringen, welche mich dazu motivieren kann, mich so richtig in die Aufgabe zu vertiefen und einzubringen. Der erste Kontakt war recht schnell gemacht: einfach mal eine formlose Mail an die Leiterin des Projektes geschickt, mit der Anfrage welche Quellen es denn so alles gaebe ueber welche ich mich einlesen koennte… ach ja, und dies natuerlich mit der erklaerten Absicht mich auf die offene Stelle bewerben zu wollen. Die Antwort liess nicht lange auf sich warten, so dass ich in der Folgezeit so ziemlich allem nachgestoebert habe, was ich auch nur in die Finger kriegen konnte: angefangen (selberverstaendlich) vom Source-Code, ueber Vortraege, Veroeffentlichungen, etc. Dabei herausgekommen ist ein recht guter Ueberblick ueber prometheus, seine Urspruenge, Ziele und die Positionierung im Felde der Kunsthistoriker – eigentlich die Art von Vorbereitung, welche ich fuer selbstverstaendlich halte (auch wenn ich bei dem Gespraech schon ein wenig das Gefuehl hatte, dass dies von der Gegenseite nicht unbedingt erwartet wird… aber dafuer umso mehr als Pluspunkt zu verbuchen ist). Aber gut, vor lauter Lesen und im Code herumstoebern sollte ich natuerlich nicht vergessen wenigsten die grundlegenden Bedingungen fuer die Bewerbung zu erfuellen: das Einschicken der Bewerbungsunterlagen.

Auch wenn es ein Weile still blieb, so kam die Rueckmeldung prompt einen Tag nach dem Ablauf der Bewerbungsfrist:

Sehr geehrter Herr Baehren,

Sie haben sich auf unsere ausgeschriebene Stelle als Softwareentwickler beworben und wir möchten Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Das habe ich mir dann nicht zweimal sagen lassen und mich demententsprechend noch einmal verstaerkt in die Vorbereitungen gestuerzt. Als letzter Teil davon stand gestern Nachmittag noch das Abklaeren der Anreise auf dem Plan: auch wenn Julia ja zunaechst mit dem Gedanken gespielt hatte ebenfalls mit nach Koeln zu kommen, so dass wir anschliessend die Stadt noch ein wenig unsicher machen koennten, war es rein von der organisatorischen Seite her sinnvoller mich am fruehen Morgen alleine in den Zug gen Koeln zu schmeissen und mich in der Bernhard-Feilchenfeld-Strasse einzufinden. Netterweise sind die Bahnverbindungen entlang des Rheines kein Thema, so dass ich mir diesbezuegelich keine grossartigen Sorgen machen musste; was in letzter Minute wohl noch einmal aufkam war die Frage, ob das Wetter denn nicht hinderlich werden koennte – diese Bedenken erwiesen sich allerdings als unbedenklich. So bin ich dann also schon eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Termin in den Geschaeftraeumen aufgetaucht, was sich aber als vollkommen ok herausstellte; fuer den letzten Streckenabschnitt vom Bahnhof Koeln Sued an hatte ich mich zwar nach einer Verkehrsanbindung umgeschaut – angesichts der Tatsache aber, dass ich fuer die 1.7 Kilometer eine Stunde Zeit hatte, fiel die Wahl dann doch lieber auf einen kleinen Morgenspaziergang (was eigentlich ganz nett war, weil ich so meine Gedanken noch einmal ein klein wenig sammeln konnte). Jenes Sammeln war aber auch nicht endlos, denn so sehr ich mich bemueht habe meine Gehgeschwindigkeit zu drosseln, nach 20 Minuten stand ich bei der angegebenen Adresse vor der Eingangstuer – also noch einmal Luft holen und dann rein.

Das prometheus Team stellte sich als eine nette kleine Truppe heraus: abgesehen von meinen drei Gespraechspartnern – Geschaeftsfuehrerin Lisa Dieckmann, Buerokraft Silvia Stark und Lead Developer Jens Wille – gibt es noch zwei weitere Studenten (oder sollte ich eher sagen: Studentinnen)… das war es dann aber auch schon. Dass bei einer solchen Konstellation natuerlich die zwischenmenschliche Chemie umso wichtiger ist, duerfte wohl nicht verwundern; das sich gegenseitig Beschnuppern fand aber in einer sehr entspannten und lockeren Atmosphaere statt, so dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefuehl hatte unter dem Vergroesserungsglas betrachtet zu werden. Insgesamt dauerte das Gespraech rund eine Stunde lang und endete mit einer Mini-Rundfuehrung durch die Raeumlichkeiten der prometheus Geschaeftsstelle (was angesichts von vier Zimmern nicht so sonderlich viel Zeit in Anspruch nahm). Als ich dann gegen viertel vor elf wieder auf der Strasse stand, hatte ich eigentlich ein recht gutes Gefuehl bei der Sache; sicher, da eine Voraussage zu treffen haette ich mich nicht gewagt, aber ich war mir doch ziemlich sicher, dass es mir gelungen war mich von einer meiner besseren Seiten gezeigt zu haben. Also schnell eine erste Benachrichtigung nach Hause abgesetzt und auf den Rueckweg gemacht.

In die genauen Randbedingungen fuer die Bewerbung – Anzahl der Bewerber, Fristen, etc. – habe ich natuerlich keine sonderlichen Einblicke gehabt; aufgrund von internen Reiseplanungen war aber klar, dass es entweder noch am heutigen Tag, ansonsten aber zu Beginn der Woche, eine Rueckmeldung geben wuerde. Als dann gegen halb sechs das Telefon klingelte und eine Koelner Nummer auf der Anzeige auftauchte hiess es Atem anhalten… die darauf folgende Unterhaltung sei hier aber recht schnell berichtet: nach einer Beratung des Teams wollte man mir die Frage stellen, ob ich in der Tat zum naechstmoeglichen Termin bei prometheus einzusteigen? Kam nur eine Antwort in Frage: JA!! Gut, dann wuerden also ab der kommenden Woche alle verwaltungstechnischen Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Einstellung zum naechstmoeglichen Termin zu realisieren – dies wuerde dann wohl der erste April (nein, kein Scherz an dieser Stelle). Sobald die Damen also ihrem Berlin-Trip zurueck sind (ob Jens da nun auch mit wollte weiss ich garnicht mehr), duerften da noch einmal einige Mails die Runde machen, um alles an Formalitaeten abzuklaeren. Was dies vorwiegend aber fuer mich heisst: ich habe nach recht kurzer Suche eine sehr interessante Stelle gefunden, welche mich vor neue Herausforderungen stellen und meinen Horizont ein gutes Stueck erweitern wird – ich denke mal, dass da spannende Zeiten anstehen (ueber welche ich sicherlich versuchen werde zu berichten).

Worueber ich mir nun aber erst einmal Gedanken machen muss ist, wie sich diese Ereignisse in gebuehrender Weise feiern lassen; Julia hatte sich eben mit den Worten “Dann lass Dir doch mal etwas einfallen” in ihre Sportstunde verabschiedet, aber bisher habe ich die Zeit weitestgehend mit Schreiben zugebracht, so dass ich da noch einmal die kleinen grauen Zellen aktivieren muss…