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Tue, 31. July 2012 – 08:42

Nachdem ich mich ja schon einmal kurz zu dem BAP Konzert am zurueckliegenden Freitag geaeussert hatte, hier auch einmal noch die etwas ausfuehrlichere Zusammenfassung des Abends. Ich bin mir zwar nicht so 100%ig sicher, ob ich wirklich alle Eindruecke zusammenbekomme, welche mir so zwischenzeitlich durch den Kopf gegangen sind – vor allen DIngen bei den Details in Sachen einzelner Musikstuecke kann ich nicht fuer Vollstaendigkeit garantieren, aber die wichigsten Dinge sollten doch durchaus noch praesent sein.

Die Anreise gestaltete sich – wie bereits berichtet – recht problemlos; zumindest vor 19:00 Uhr besteht eine regelmaessige Verbindung zwischen Bonn und Rheinbach, so dass ich lediglich einmal umsteigen musste und dann auf dem Weg war. In Rheinbach angekommen, konnte ich wieder einmal feststellen, dass ich auf mich alleine gestellt war; auch wenn ich das GPS bereits bei meiner Abfahrt in Koeln gestartet hatte, war bis zu der Ankunft am Bahnhof immer noch nicht absehbar, wann ich denn ein Lock bekommen wuerde. Gut, so noetig war dies letzten Endes nicht – schliesslich sind die Verhaeltnisse vor Ort einfach genug – aber das Unvermoegen mitunter auch nach eine Stunde Laufzeit noch immer keine Verbindung hergestellt zu haben finde ich schon enttaeuschend (das ist wohl eine Kleinigkeit, welche ich bei der Anschaffung des naechsten Handys im Hinterkopf behalten sollte). Aufgrund der Tatsache, dass das Konzert Teil der am Wochenende stattfindenden Rheinbach Classics war, brauchte ich nicht gross nach dem Ausrichtungsort suchen; ueberall waren Leute unterwegs, so dass ich mich einfach dem allgemeinen Strom in Richtung Innenstadt anzuschliessen brauchte. Um gleich eine Idee zu haben, wie lange ich denn spaeter am Abend brauchen wuerde, um wieder zurueck zum Bahnhof zu kommen, hatte ich die Uhr ein wenig genauer im Blick – mit der Information ausgestattet wuerde ich dann in der Lage sein abzuschaetzen, wann ich aufbrechen muesste (was dann in der Tat relevant wurde).

Da Platz vor der Konzertbuehne war bei meiner Ankunft schon recht gut gefuellt, aber mit eine wenig Geduld und geschickten Gleiten durch die sich bietenden Luecken, habe ich es bis recht weit vorne geschafft. Da ich durchaus davon ausgehen konnte, dass ich keiner sonderlichen technischen Tricks die Spielkunst betreffens bestaunen musste, war es nicht wirklich noetig bis auf den letzten Zentimeter an die Buehne heranzuruecken – von der Abmischung her war an es an dem Standort wohl ein klein wenig ungleich (weil ich eben mehr links on der Buhne gestanden habe) aber das liess sich durchaus verkraften. Aufgrund des bereits erwaehnten Bestandteils der Konzertes im Rahmen der Rheinbach Classics gab es seitens der Veranstalter vorher noch ein paar warme Worte; war jetzt nicht so sonderlich spannend (vor allen Dingen wenn einfach nur gekommen war um sich das Konzert anzuhoeren), aber gluecklicherweise haben die drei Herren die Buehne nicht so sonderlich lange in Beschlag genommen.

Wolfgang Niedecken und seine Mannen – Werner Kopal (bass), Helmut Krumminga (guitar), Michael Nass (keyboards), Jürgen Zöller (drums) – betraten lediglich mit ein paar Minuten Verspaetung, so dass es mit dem Rest des Abends losgehen konnte. Was das musikalische Programm betraf durfte ich mich wohl gleich aus mehreren Gruenden ueberraschen lassen:

  • Es ist schon eine zweistellige Anzahl von Jahren her, dass ich BAP das letzte Mal gehoert habe; ich bin mir nicht einmal mehr so ganz sicher wann und wo dies war (ok, ich bin dafuer nach Koeln gefahren, aber ansonsten…), der entscheidende Punkt waere, dass es sich da noch um eine fast komplett andere Zusammensetzung der Band gehandelt hat.
  • Musikalisch habe ich mich in den vergangenen Jahren eher anderen Dingen zugewendet, so dass ich garnicht mal den Ueberblick darueber besitze, welchen Alben BAP eigentlich so in der Zwischenzeit veroeffentlicht haben – aus diesem Grunde war mir schon von vorne herein klar, dass ich an diesem Abend gleich eine ganze Reihe Stuecke zum ersten Mal zu Gehoer bekommen wuerde.

Waehrend ich auf den zweiten der beiden Punkte recht gut vorbereitet war – und was durchaus auch einiges an Neugierde verursachte – hatte ich an den personellen Veraenderungen (und dem daraus resultierenden musikalischen Wechsel) deutlich mehr zu knabbern. Wem die letzten Alben noch mit Klaus “Major” Heuer in den Ohren sind, der wird wahrscheinlich von dem aktuellen Klangbild der Band enttaeuscht sein:

Mit dem Eintritt von Heuser wurde BAP musikalisch das, was wir heute kennen. Seine Expertise, seine Besessenheit, sein musikalischer Verstand machte aus einer Südstadt-Combo mit einem Singer-Songwriter wie Niedecken eine Band von nationalem Format. Heuser kannte die Wirkung brachialer Riffs, guter, eingängiger Songs, großer Sounds.

Dieser Sound – nicht nur die technischen Aspekte der Produktion, sondern auch die Geschliffenheit der Arrangements betreffend – hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was Herr Niedecken und seine Mannen in diesen Tagen so von sich geben. Damit uns hier nicht falsch verstehen: die Band ist nicht schlecht im eigentlichen Sinne geworden, bleibt aber doch deutlich hinter dem frueher etablierten Status zurueck. Keine Abstriche zu verzeichnen gibt es bei den Texten und Geschichten, welche die Lieder erzaehlen; was dies betrifft so ist es immer noch Niedecken, welcher es versteht die Dinge in eindringlicher Weise (und immer wieder mit einem leichten Augenzwinkern ausgestattet) in Worte zu fassen. Der Gesamteindruck leidet aber schon ein wenig, denn der Musik fehlt mitunter schon die Feinheit des Klangfundamentes, ueber welche sich die Texte dann spinnen koennen. Besonders kritisch wird es natuerlich dann, wenn es an die “Klassiker” geht: “Alexandra, nit nur do”, “Kristallnaach” und vor allen Dingen “Verdamp lang her” sind einfach Stuecke, welche so viel an BAP DNA enthalten, dass jeder Patzer, jedes Weniger an musikalischer Praesentation, in ganz besonderer Weise ins Gewicht fallen. So ist es dann auch, dass ich geradezu erschrocken war in welcher Weise Helmut Krumminga mit dem Riff von “Verdamp lang her” zu straucheln schien; sicher, ich lasse durchaus mit mir reden, wenn es an unterschiedliches Interpretationen von Musikstuecken geht, aber ziemlich egal wie sich das Resultat gestaltet erwarte ich doch ein Mindestmass an musikalischen Handwerk – wenn ich aber das Gefuehl habe, dass es daran fehlt, dann ist es mit dem Wohlwollen recht schnell vorbei.

Ich denke mal, dass ich mich wahrscheinlich noch seitenlang ueber die musikalischen Feinheiten des Abends auslassen koennte – in gewissem Masse habe ich dies ja auch waehrend der Heimfahrt bereits gemacht, wo ich mit Julia telefoniert habe – aber vielleicht sollte es einfach jedem ueberlassen bleiben sich selber ein Urteil zu bilden; BAP sind derzeit noch (mindestens bis in den Herbst hinein) auf Tour, so dass es ausreichend Gelegenheit gibt Herrn Niedecken und seine Mannen live zu sehen. Ich fuer meinen Teil kann auf jeden Fall festhalten, dass sich BAP zumindest von der erzaehlerischen Seite her treu geblieben sind: es lohnt sich wirklich gut zuzuhoeren und sich dabei nicht alleine auf die Musik zu konzentrieren – angesichts der musikalischen Performance der Band ist dies vielleicht sogar ganz angebracht, denn legt man die Messlatte an jenem Punkt an, dann bleibt man schon ein wenig enttaeuscht zurueck. Soll das jetzt heissen, dass ich mich ueber den Abend aergere? Nein, das war wirklich ein sehr schoenes Geburtstagsgeschenk, ueber welches ich mich sehr gefreut habe (auch wenn ich es natuerlich viel lieber noch in ganz anderer Weise haette geniessen wollen) – letzten Endes bleibt BAP einfach eine Combo, welche man nicht verpassen sollte.