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Fri, 09. November 2012 – 13:04

Wer sich noch ein wenig zurueckerinnern kann, duerfte vielleicht noch wissen dass im May seitens des prometheus Bildarchives eine Petition aufgesetzt wurde, in welcher es um den Erhalt des Zugriffes auf Reproduktionen der Werke von Joan Miro fuer Forschung und Lehre ging. Bis Ende August waren auf diesem Wege 1086 Unterschriften zusammengekommen. Heute Morgen machte nun ein weiterer Aufruf die Runde:

Die traditionsreiche Hansestadt Stralsund, deren Altstadt zum UNESCO-Welterbe gehört, hat im Sommer 2012 einen Teil ihrer historischen Archivbibliothek - diese gehört in Mecklenburg-Vorpommern zu den vier größten Altbestandsbibliotheken - an einen Antiquar zu einem nicht genannten Betrag veräussert. Dies betraf nach Angaben der Stadt den Großteil der historischen Gymnasialbibliothek, deren Umfang im “Handbuch der historischen Buchbestände” 1995 mit 2630 Titeln angegeben wurde. Behalten wurden nur wenige regionalgeschichtliche Titel, verkauft wurden dagegen knapp 6000 Bände. Neben der Gymnasialbibliothek sind auch eine nicht genannte Zahl von Büchern aus anderen wertvollen Teilbeständen der Archivbibliothek, unter anderem auch der bedeutenden Löwenschen Sammlung, in den Handel gegeben worden, wie Online-Angebote (Abebooks, ZVAB, Ebay) vor allem von Antiquariaten aus dem Raum Augsburg (Peter Hassold, Augusta-Antiquariat, Ebay-Verkäufer Robert Hassold) beweisen. Es sind darunter auch zahlreiche Pomeranica vertreten, auch äußerst seltene oder derzeit nicht außerhalb von Stralsund nachgewiesene Stücke.

Unter dem Titel Rettet die Stralsunder Archivbibliothek! gibt es wieder die Moeglichkeit ueber openpetition.de die Stimme fuer den Erhalt von Kulturguetern zu erheben und so (hoffentlich) mit dazu beizutragen, dass die Hansestadt Stralsund nicht einfach Teile ihrer historischen Archivbibliothek verscherbelt. In wie weit diese Aktion hier massgeblich dafuer verantwortlich ist weiss ich natuerlich nicht, aber die mittlerweile entbrannte Debatte um das Vorgehen hat scheint wohl auch am Oberbuergermeister der Stadt nicht ganz spurlos vorbeigegangen zu sein; schaut man auf die offiziellen Internetseiten der Stadt, dann findet sich dort immer das folgende Statement:

In den letzten Tagen gab es zur Veräußerung eines Teils der ehemaligen Gymnasialbibliothek aus dem Stralsunder Stadtarchiv eine kontroverse öffentliche Diskussion.

Die im Zusammenhang mit der Verkaufsentscheidung von den Fachleuten unserer Einrichtung vertretene Auffassung wurde dabei teilweise in Frage gestellt. Diese Einschätzungen und Aussagen, die über die Medien, insbesondere über das Internet, publiziert worden sind, nehme ich sehr ernst.

Da darf man also mal gespannt bleiben, wie es weitergeht.