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Wed, 12. December 2012 – 18:58

Ist doch immer wieder interessant auf welchem Wege die Dinge zusammenkommen: da habe ich vor einer Weile noch mit Side by Side (2012) eine Dokumentation ueber die digitale Revolution im Filmgeschaeft gesehen, da geht ein Beitrag auf Heise auf einen Aspekt ein, welcher mit vergangene Woche bei einem Interview im Deutschlandfunk untergekommen ist:

Inzwischen ist bereits ein großer Teil der deutschen Kinos nach DCI-Norm digitalisiert, vor allem seit die Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin diese Umstellung mit Millionen Euro bezuschusst. Aber nicht jedes Kino erhält diese Förderung: Dafür muss es mehr als 8000 Zuschauer pro Jahr und einen Nettoumsatz von mehr als 40.000 Euro nachweisen. Durch das Raster fallen dabei kleine Kinos und viele Filmtheater mit einem kulturellen Programmansatz. Fabian Schauren, Geschäftsführer des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit, berichtet, dass von den 100 Mitgliedskinos seines Verbandes gut die Hälfte nicht die Kriterien der FFA erfüllen kann. Das werde zu einem massiven Kinosterben in der Fläche führen. “Schon heute gibt es in Rheinland-Pfalz, wo ich herkomme, und in Ostdeutschland Regionen, in denen man im Umkreis von 50 Kilometern kein Kino findet. Wenn man keine anderen Lösungen als den DCI-Standard einführt, werden wir bald große weiße Flächen in der Kinolandschaft bekommen.”

Beiden Beitraegen gemein ist die Diskussion rund um die Digitalisierung der Kinos, einer gewissermassen logischen – aber durchaus auch technisch notwendigen – Konsequenz aus der Digitalisierung der Filmproduktion selber; wenn mittlerweile auch eine urbritische Kinoinstitution wie James Bond in Skyfall (2012) auf einer ARRI Alexa gefilmt wird, dann moechte man schon, dass die opulenten Bilder auch in wuerdiger Weise ihren Weg zum Zuschauer finden (ich rede hier an dieser Stelle mal bewusst nicht von so Dingen wie 3D, auch wenn dies durchaus ein verwandtes Thema ist). Um sich diesem Thema nicht nur von der technischen, sondern auch von der kreativen Seite zu naeheren, kann ich den in diesen Tagen angelaufenen Dokumentarfilm von Christopher Kenneally empfehlen:

SIDE BY SIDE, a new documentary produced by Keanu Reeves, takes an in-depth look at this revolution. Through interviews with directors, cinematographers, film students, producers, technologists, editors, and exhibitors, SIDE BY SIDE examines all aspects of filmmaking — from capture to edit, visual effects to color correction, distribution to archive. At this moment when digital and photochemical filmmaking coexist, SIDE BY SIDE explores what has been gained, what is lost, and what the future might bring.

Warum ich diesen Film mit gutem Gewissen auch durchaus fuer wenig cineastische Zeitgenossen empfehlen kann, ist dass es eben nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von technischen Informationen ist, sondern der (eigentlich recht erfolgreiche) Versuch unternommen wird, die Auswirkungen der technischen Entwicklung auf die kreativen Prozesse nachzuzeichnen. Wie nicht anders zu erwarten machen Principal Photography und Visual Effects einen wesentlichen Anteil an der Geschichte aus; was aber mitunter eher uebersehen wird ist, in welcher Weise die neuen technischen Moeglichkeiten sich auf die Arbeit von Schauspielern auswirken (welche mit einem Male nicht mehr Pausen zwischen unterschiedlichen Takes rechnen koennen, weil es eben kein begrenztes Medium wie Film mehr gibt, welches rollenweise nachgeladen werden muss) – auch dies wird in einer Reihe von Gespraechen beleuchtet. Was sich dabei als ein Glueckgriff herausstellt ist, dass Keanu Reeves eben nicht nur als Produzent an dem Projekt beteiligt ist, sondern als Host die Gespraeche fuehrt; das bedeutet also, dass man es hier mit jemanden zu tun hat, der durchaus am eigenen Leib einen nicht unerheblichen Teil der Umwaelzungen mitbekommen hat.

Sehenswert!