{title:}

Thu, 28. November 2013 – 20:08

Es bleibt wohl dabei: die Ansichten am KNMI und bei SRON, was die Organisation der Arbeitsbedingungen betrifft, sind einfach nicht zusammenzubringen (zumindest nicht auf einen langen Zeitraum). Bevor ich vorhin in Richtung Bushaltestelle losgesprintet bin (der ICE faellt zwar gerne schon einmal aus, auf der anderen Seite wartet er aber leider nicht auf mich), hatte ich noch eine Unterhaltung mit Werner, welche mir wieder einmal klar gemacht hat, warum es Umgebungen gibt, in welchen ich nach Moeglichkeiten nicht arbeiten moechte. Diese Regelversessenheit, wie sie vor allen Dingen in dieser speziellen Abteilung herrscht, ist fuer mich eigentlich nur eines: abschreckend.

Um fair zu sein: diese Ansichten hoere ich nicht das erste Mal… aber alleine nur die Wiederholung macht es in keinster Weise besser oder zutreffender. Eine Umgebung wie das KNMI und ich scheinen einfach auf sehr fundamentalen Niveau nicht miteinander kompatibel zu sein; da bin ich doch recht froh, dass meine Tage dort gezaehlt sind und sich das Ende meines Exils abzeichnet.

Mal einfach ein wenig stichpunktartig:

  • Buerozeiten sind mehr dazu da eingehalten zu werden, denn wirklich zu Produktivitaet zu fuehren. Mir ist vollkommen klar, dass es Sinn macht sich immer wieder mit den Leuten kurzzuschliessen, mit welchen man gemeinsam an einer Sache arbeitet. Was aber der Mehrwert davon ist zu einer viel zu fruehen Tageszeit in einem Buero zu sitzen (wo man dann eh noch halb verschlafen ist), wenn man eh an einer Sache sitzt, welche vor allen Dingen das Implementieren von Code erfordert, hat mir bisher noch keiner erklaeren koennen. Aus irgendeinem Grunde geht am KNMI das Geruecht um, dasss Menschen alleine am Institutsschreibtisch in der Lage sind ihre Arbeit zu machen – dass dies mit der Wirklichkeit nur noch begrenzt etwas zu tun hat, scheint da keinen zu stoeren. Klarer Pluspunkt fuer SRON!

  • Es ist vollkommen egal, welchen Editor eine Person gebraucht: Coding conventions wie z.B. “Einrueckungen bei schleifen sind vier Leerzeichen weit, Leerzeichen und nicht ein Tab der Laenge vier” sind meines Wissen vollkommen unabhaengig davon ob ich nun vi, vim, Nedit, Emacs, XEmacs, Aquamacs, KEdit, Eclipse oder was auch immer gebrauche. Aus irgendeinem Grunde scheint diese einfache Wahrheit nicht so ganz in die Koepfe einsickern zu wollen, denn auch eben durfte ich mir wieder anhoeren, dass es ja problematisch sei, dass ich einen anderen Editor als Leute in der Gruppe am KNMI verwende. Warum dies allerdings der Fall ist kann mir noch keiner so wirklich nachvollziehbar erklaeren. In gleicher Weise war bisher auch nicht in Erfahrung zu bringen, was denn der Vorteil daran ist, mich mit einem Editor (oder genauer: einer Entwicklungsumgebung) herumzuschlagen, welche ich a) auch guten Gruenden sonst nie verwenden wurde und b) mich nur unnoetig Zeit kostet, weil mir die Bedienung nicht gelauefig ist. Ich weiss, dass gerade so Dinge wie Editoren ein Punkt sind, ueber welchen sich vortrefflich streiten laesst, aber ich denke doch mal, dass ich ueber die Jahre gelernt habe, dass es sich hierbei um eine sehr individuelle Wahl handelt, welche in der Regel auf praktischen Erfahrungswerten basiert. Wo die ganze Angelegenheit natuerlich vollkommen absurd ist, wenn es bald daran gehen wird, dass ein Teil des im Framework laufenden Codes bei SRON geschrieben werden soll – da werden wir bestimmt nicht hingehen und die Umgebung des KNMI klonen.

  • Wenn ich so viel Angst vor moderneren Versions-Kontroll Tools wie Git habe, dann bitte – bleibt von mir aus bei Subversion als zentrale Infrastruktur. Warum ich dann allerdings lokal fuer mich nicht etwas anderes verwenden sollte, bleibt wohl ein wohlgehuetetes Geheimnis. Aus der Open-Source Community stammenden Arbeistechniken scheint das KNMI insgesamt recht kritisch gegenueber zu stehen, so dass es vollkommen undenkbar scheint, dass jemand Code unter Versionskontrolle halten will, ohne staendig in Verbindung mit einem zentralen Server bleiben zu muessen. Was sind denn die Konsequenzen? Da ich mit Vorliebe unterwegs im Zug arbeit (und da immer wieder einiges geschafft kriege), ziehe ich es vor eine Moeglichkeit zu haben Zwischenschritte sichern zu koennen; vor allen Dingen dann, wenn ich z.B. an einer groesseren Menge an Code-Aenderungen arbeite, bietet mir ein Tool wie Git das noetige Sicherheitsnetz um die Gefahr zu minimieren, dass mir durch eine kleine Unachtsamkeit alles an Aenderungen verloren geht. Ginge es nach der KNMI Methode, dann wuerde ich a) eh nicht wo anders am Institut arbeiten und b) ueber keinerlei direkte Moeglichkeit verfuegen meine Arbeit in regelmaessigen Abstaenden zu sichern – um bestehende Aenderungen rueckgaengig zu machen und eine fruehere Version wieder herzustellen ist ein Tool wie Subversion auf die Verbindung zu einem Server angewiesen… recht unwahrscheinlich wenn man sich irgendwo unterwegs in einem Zug befindet, wo sich ein Verein die die Telekom jede Minute WLAN teuer bezahlen laesst.

  • Insgesammt scheint die Arbeitsumgebung mehr auf das Befolgen von Regeln und Vorschriften optimiert zu sein, als das Foerdern von kreativem Loesen von Problemen. Ich mag mich da vielleicht irren, aber auf Dauer scheint mir dieses kaum ueber den eigenen Tellerrand hinausschauen doch ein wenig problematisch zu sein. Wirkliche Innovation kommt auf diese Weise wohl kaum zustande. Es besteht aber allem Anschein nach eine ziemliche Angst vor Abweichungen von der Konformitaet, dass auf diese Weise ein letzten Endes eher Technik-konservatives Umfeld entsteht, welches hinter der “wilden Welt” da draussen zurueckbleibt. Was dies betrifft muss ich den Leuten bei SRON wieder einmal ein Kompliment machen: dort war man durchaus neuen Ansaetzen aufgeschlossen, auch wenn dies bedeutete, dass man ein wenig mit dem brechen muss, was bis dahin etabliert war – das erfordert sicherlich eine gewisse Lernkurve, haelt den Geist aber frisch und fuer neue Dinge empfaenglich.

Wie ich schon gesehen habe, macht es nur wenig Sinn mit den Leuten am KNMI ueber derartige Dinge zu diskutieren – dort sind anscheinend alle so indoktriniert, dass alles andere als die eigene Arbeitsweise als ein direkter Weg ins Chaos gesehen und wie die Pest von sich gewiesen wird. Fuer mich ist dies aber vielleicht doch auch noch einmal eine ganz brauchbare Erfahrung gewesen, weil ich nun umso besser weiss auf welches Details ich bei der Arbeitsstellenwahl aufpassen muss.