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Sun, 15. December 2013 – 18:20

Ich bin doch immer wieder verbluefft welche Blueten vor allen Dingen das US-amerikanische Patentrecht treibt:

Auch wenn beim Yoga Wettbewerbsdenken generell verpönt ist, stehen Yogastudios natürlich in Konkurrenz zueinander. Nach Ansicht der international tätigen Verbandes Yoga Alliance hat das kalifornische Unternehmen YogaGlo die Grenze der Fairness nun jedoch überschritten: Der Anbieter von Online-Yogakursen ließ sich in den USA das Live-Streaming von “Unterrichtsstunden, einschließlich Yoga,” patentieren.

Wie Heise News in der Mitteilung weiter berichtet, handelt es sich bei der Idee nicht unbedingt um eine Sache, von welcher man vermuten wuerde, dass es ueberhaupt Sinn machen wuerde sich um ein Patent zu bemuehen:

Eine Kamera im hinteren Bereich des Kursraums (also mit Blick zum vorne stehenden Lehrer) fängt automatisch die laufende Stunde ein und streamt diese ins Internet beziehungsweise zeichnet sie auf. Der Zuschauer bekommt so laut Beschreibung den Eindruck, “in einer echten Klasse zu sein”.

Schaut man einmal in den Original-Text des Patent-Antrages, dann klingt dies natuerlich recht grandios:

The present invention creates an experience of participating in a real class with real students even though the viewer is not actually present in the class. This is accomplished by the unique setup of the classroom, the position of the yoga instructor and yoga participants and the position of the camera imaging the yoga exercises and stretches. The perspective of the viewer watching the captured image is thus one of an actual participant in the class. The instructor is placed at the head of the studio with the yoga participants arranged between the yoga instructor and the camera. A direct line of sight between the camera and the yoga instructor, a “no mat area,” is provided so that there is an unobstructed view of the yoga instructor which allows for a participatory view of the yoga class for the viewer.

Dies fuer sich genommen war allen Anschein aber in der ersten Runde nicht ausreichend, so dass der Antragsteller noch einmal nachlegte:

Nach Angaben der Yoga Alliance lehnt das United States Patent and Trademark Office (USPTO) als zuständige Stelle den ursprünglichen Antrag mit der Begründung ab, die aufgezeigte Vorgehensweise sei ohnehin Stand der Technik (prior art). Daraufhin erweiterte YogaGlo am 8. Oktober den Antrag um den Punkt, dass die Kamera in einer Höhe von 3 Fuß (rund 1 Meter) installiert werden soll, um zu zeigen, “wie es ein Teilnehmer im hinteren Bereich des Raumes den Kurs verfolgen würde”. Tatsächlich erteilte das USPTO dem Unternehmen daraufhin das Patent unter der Nummer 8,605,152.

Ich persoenlich kann so eine Sache mit einem heftigen Kopfschuetteln zur Kenntnis nehmen: wenn die Spezifizierung einer Kameraposition und -hoehe schon ausreicht, einen zunaechst erfolglosen Antrag zu Erfolg zu bringen, dann duerfte es doch eigentlich nur ein paar Minuten dauern, ehe man sich gleich eine ganze Waschliste an neuen Patenten aus den Fingern gesaugt hat, welche sich ebenfalls einreichen lassen.