Meine musikalischen Vorlieben durchlaufen durchaus gewisse Phasen; jene haengen von einer Reihe Faktoren ab, welche ich nicht einmal unbedingt aufzuzaehlen wuesste. Was aber sicherlich einen Einfluss hat ist, ob ich mich in irgendeiner Weise mit einer Band oder einem bestimmten Musiker beschaeftigt habe (sei es durch lesen von Artikeln oder das Anschauen von Interview und/oder Dokumentationen). Nachdem ich Nightwish durchaus fuer eine Weile aus dem Blick verloren habe, war es der Konzertmitschnitt vom Auftritt beim Wacken Open Air, welcher mir die Truppe wieder zurueck ins Gedaechtnis gerufen hat. Auch wenn ich seinerzeit schon ein wenig versucht hatte den Einstieg von Floor Jansen mitzuverfolgen, so fehlte es ueber laengere Strecken doch einfach an vernuenftigem Audiomaterial, um sich ein vernuenftiges Bild von der neuen Besetzung zu machen. Nicht dass ich da sonderliche Zweifel gehabt haette – schliesslich ist Floor ja keine Unbekannte – aber die recht schnell nach dem Einspringen im Internet kursierenden Videos waren von der Audioqualitaet einfach nicht zu gebrauchen, um eine fundierte Aussage zu treffen. Mit der Veroeffentlichung von “Showtime, Storytime” hat sich die Situation nun aber grundlegend veraendert.

Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich die Musik von Nightwish ueber die Jahre so zu einem Bombast hin entwickelt hat, dass sich der Klang von den Studioalben garnicht mehr ohne Playback ins vernueftiger Weise auf die Buehne transportieren laesst – was natuerlich den Freiraum fuer Improvisation und spontane Einfaelle deutlich einschraenkt – so wird doch recht deutlich, dass Floor Jansen sowohl vom musikalischen Hintergrund als auch von den gesanglichen Faehigkeiten recht gut in die Truppe passt. Was dabei schon zu hoffen bleibt ist, dass es in ein paar Jahren nicht wieder auf die gleiche Weise zu einem Bruch kommt, wie dies bei den beiden Vorgaengerinnen der Fall war. Was in diesem Zusammenhang mit Sicherheit positiv zum Tragen kommt ist, dass Floor bereits auf eine eigene, recht erfolgreiche Karriere zurueckblicken kann und dadurch einiges an Tourerfahrung vorzuweisen hat (was durchaus von Belang sein kann).

Schiebt man die letzteren Ueberlegungen mal ein wenig bei Seite und konzentriert sich – wie dies ja auch eher der Fall sein sollte – auf die Musik, dann muss ich schon sagen dass es da wieder interessant wird Nightwish zu hoeren. Live sind die musikalischen Optionen wieder deutlich mehr geworden, denn Floor verfuegt einfach ueber eine ungleich variablere und vollere Stimme, als dies jemals bei Anette der Fall war. So kommt es denn auch, dass im Laufe der vergangenen Tour wieder aeltere Stuecke (bis zurueck zum “Wishmaster” Album) den Weg zurueck in die Set-Liste gefunden haben und die Band in ihren Moeglichkeiten spuerbar weniger Eingrenzungen unterliegt. Ich denke mal, dass man da durchaus gespannt sein darf, woran derzeit in Finnland gewerkelt wird: wie ueber die Website der Band zu erfahren war, haben die Arbeiten an einem neuen Album begonnen…