Angesichts der Tatsache, dass ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Zeit damit zubringe auf der Suche nach einem neuen (vielleicht sogar wieder einmal ein wenig permanenteren) Job zu sein, lese ich natuerlich auch so einiges an Material, welches angeblich dafuer gedacht ist die Erfolgschancen zu verbessern. Das heisst allerdings auch, dass mir mitunter Dinge unterkommen, bei welchen ich einfach nur den Kopf schuetteln kann. So geschehen in diesem Fall: unter dem Ueberschrift “Löschen Sie diese 4 Dinge aus Ihrem IT-Lebenslauf” versucht Autorin eine Lanze dafuer zu brechen (scheinbar) alte Zoepfe abzuschneiden um auf diese Weise mehr up-to-date zu erscheinen.

Kenntnisse in COBOL und Fortran? Wollen Sie Ihren Lebenslauf nicht gleich mit Schreibmaschine schreiben und per Brieftaube einsenden? Zugegeben: In bestimmten Anwendungsbereichen können Kenntnisse in älteren Programmiersprachen bei der Bewerbung ein paar Extrapunkte einbringen. In der Wissenschaft wird speziell Fortran als Nischen-Programmiersprache nach wie vor verwendet. Prinzipiell gilt aber: Was für den angestrebten Job nicht relevant ist oder allgemein als überholt angesehen wird, gehört nicht in den IT-Lebenslauf. Bleiben Sie auf dem Laufenden und achten Sie auf aktuelle Entwicklungen und Trends – in kaum einer anderen Branche ändern sich die alltäglichen Werkzeuge schneller als in der Informatik. Wer sich vor Neuem verschließt, gehört bald zum alten Eisen und wird als Dinosaurier belächelt. Wer sich in der IT-Welt behaupten will, sollte seinen IT-Lebenslauf auf überholte Werkzeuge (z. B. alte Programmiersprachen wie COBOL und Fortran) durchsuchen und diese schnellstmöglich löschen.

Nun gerate ich wahrscheinlich nicht so schnell in den Verdacht, ein sonderlicher Fan von Fortran zu sein, aber diese Sprache leichtfertig aus “Nischen-Programmiersprache” abzukanzeln scheint mir dann doch (leider) ein wenig voreilig. Sicherlich sind hochperformante Sprachen wie Fortran und C++ nicht unbedingt das Tool der Wahl, wenn es um die Entwicklung von Webseiten geht, aber es kommt einfach sehr stark auf den Kontext an:

  • Es muss nicht alleine die Sprache sein, sondern mit dem Erlernen einer (Programmier-)Sprache geht typischerweise auch das Erlernen der ihr zueignen Konzepte einher. Schaut man sich die diversen Sprachen an – und vor allen Dingen ihren Stammbaum – dann fuehren viele grundlegende Prinzipien zurueck zu einem gemeinsamen Ursprung. Aus genau diesem Grund ist z.B. eine Sprache wie Smalltalk nach wie vor relevant, wenn es darum geht zu verstehen, wo viele objekt-orientierten Sprachen ihre Wurzel haben.

  • Sicherlich ist es wichtig in einem sich so schnell veraendernden Umfeld wie der Software-Entwicklung auf dem Laufen zu bleiben: deutlich zu machen dass man aktuelle Entwicklungen und Trends kennt ist da sicherlich von Vorteil. Dies heisst allerdings nicht, dass damit frueher erlernte Faehigkeiten (oder Wissen) obsolet sind. Es macht da sicherlich Sinn ein wenig von beidem im Portfolio zu haben: sich ausschliesslich auf die neusten und angesagtesten Dinge zu beschraenken ist (zumindest in meinen Augen) genauso schaedlich, als wenn wenn man nicht in der Lage ist etwas aufzulisten, was ueber die Phase der ersten Taetigkeit hinausgeht. Einfach nur Sachen rausstreichen weil sie zeitlich weiter zurueck gehen ist wenig empfehlenswert.

  • Letzten Endes kommt es doch immer sehr stark auf den Kontext an: je nach dem wo ich mich bewerbe, sind es andere Dinge welche von besonderer Bedeutung sind. Irgendwo in den Naturwissenschaften landen zu wollen mit Fokus auf Javascript oder PHP scheint mir da genauso wenig Erfolg versprechend, wie sich mit ausschliesslich Fortan-Erfahrung um eine Stelle als Web-Entwickler zu bewerben. Die relevanten Skills haengen eben immer sehr stark vom spezifischen Taetigkeitsfeld ab. Und eine Sache sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen: bei einer Bewerbung ist es ja nicht “nur” der Lebenslauf, mit welchem man sich vorstellt, sondern auch das Anschreiben, welchen viel mehr dafuer geeignet ist sich als einen guten Kandidaten ins Gespraech zu bringen.

Ein wenig sorgsamer in der Wortwahl zu sein kann nicht schaden – bei dem erwaehnten Artikel war dies einer der wesentlichen Punkte, welcher mir fehlte.